Peking - Die USA und Nordkorea kommen einander im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm näher. Washington habe "in Aussicht gestellt, Handelsbarrieren zu beseitigen und Nordkorea von der Liste der Staaten zu streichen, die den Terrorismus unterstützen", erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in Peking aus einer Quelle, die über die Gespräche der USA und Nordkorea im Jänner in Berlin unterrichtet ist. Eine neue Runde der Verhandlungen über das umstrittene Atomwaffenprogramm beginnt am Donnerstag in Peking.

Gegenleistungen für Energielieferungen

"Es gab eine deutliche Annäherung zwischen der nordkoreanischen und der amerikanischen Position", berichtete die Quelle über die direkten, aber informellen Gespräche der Unterhändler in Berlin. Nordkorea habe seine Bereitschaft zur Schließung seines Atomreaktors erklärt. Im Gegenzug für Energielieferungen könnten auch Inspektoren der Atomenergieorganisation (IAEO) ins Land gelassen werden, hieß es. Für die neue Runde der Sechser-Gespräche, die am Donnerstag mit Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland beginnt, trafen die Delegationen am Mittwoch in Peking ein.

US-Unterhändler Christopher Hill zeigte sich bei der Ankunft vorsichtig optimistisch. "Wir werden das nicht in dieser Woche beenden. Vielleicht werden wir nur einen guten ersten Schritt machen", zitierte ihn die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Die Energiehilfen als Gegenleistung für erste Schritte zur Einstellung des Atomprogramms werden nach seiner Einschätzung möglicherweise Thema der Verhandlungen in Peking.

Ölforderungen

Nach japanischen und südkoreanischen Medienberichten fordert Nordkorea 500.000 Tonnen Öl jährlich für das Herunterfahren des Atomreaktors in Yongbyon. Die Berichte beriefen sich auf den früheren Beamten im US-Außenministerium, Joel Wit, der mit dem früheren Atominspekteur David Albright in Pjöngjang mit der Regierung gesprochen hatte. Nordkorea schwebe eine Zwei-Phasen-Lösung vor, an deren Ende die Lieferung eines Leichtwasserreaktors stehe. "Sie sagten, alles wäre möglich", wenn der Reaktor geliefert werde, sagte Wit nach Angaben von Yonhap.

Die USA müssen aus chinesischer Sicht die Initiative ergreifen, um das Misstrauen auf nordkoreanischer Seite abzubauen, sagte der Leiter der Rüstungskontrollabteilung im Pekinger Außenministerium, Teng Jianqun. Die USA sollten ihre Finanzsanktionen gegen Pjöngjang wegen Geldwäsche und anderen illegaler Finanzaktivitäten aufgeben, wenn sie eine Lösung des Problems erreichen wollten. Die Regierung in Tokio sieht es als verfrüht an, Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe zukommen zu lassen, solange es keine Fortschritte in der umstrittenen Frage der Entführung von japanischen Staatsbürgern während der 1970er und 1980er Jahre gibt. (APA/dpa)