Da werden sich selbst die härtesten Randalierer unter Italiens Fußball-Ultras fürchten. Nach den Krawallen von Catania beschloss der Ministerrat zu Rom am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das die Sicherheit in den zum Teil völlig verkommenen Stadien des Landes heben soll. Natürlich ist es löblich, dass jetzt die seit 2003 existierenden Bestimmungen wirklich umgesetzt werden sollen, um zu verhindern, dass, nur so zum Beispiel (und wie in Mailand geschehen), ein brennender Motorroller vom Oberrang auf den Unterrang fallen kann.

Natürlich sind die Nummerierung der Sitzplätze, die Personalisierung der Eintrittskarten oder die Trennung der Fans von Heim- bzw. Gastmannschaft richtige Maßnahmen. Bloß, zahlen wollen die hoch verschuldeten Vereine dafür nicht. Ja mehr noch, schon drohen einige Präsidenten wie jener des SSC Napoli mit Schadenersatzklagen, sollten sie die Fans gegen gutes Geld nicht mehr in ihre Bruchbuden lassen dürfen. Vielleicht beißen sie bei Innenminister Giuliano Amato ja tatsächlich auf Granit. Der gab sich wild entschlossen, keinesfalls mehr Spiele vor Publikum in Stadien zuzulassen, die nicht den Bestimmungen entsprechen. Bis zum Tod des Polizisten Filippo Raciti am Freitag hatte der Turiner mit nicht regelkonformen Arenen offensichtlich kein Problem.

Und dass sich Meinungen, zumal wenn es um den Calcio geht, schnell ändern können, haben auch andere Entscheidungsträger vorexerziert. Die sofortige Beendigung der Meisterschaft, ja, gar ein einjähriger Spielstopp waren gefordert worden. Jetzt steht fest, dass schon am Samstag wieder die Kugel rollen darf. In einigen Stadien halt vor leeren Tribünen. Die werden sich ärgern, die Randalierer – und ihren Spaß bzw. Opfer wie Filippo Raciti wieder vor den Stadien suchen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 8. Februar 2007, Sigi Lützow)