Italiens Banken sind die teuersten in der EU. Dadurch werde die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Industrie gebremst, kritisiert die Wettbewerbsaufsicht in Rom die Gebührenpolitik der Kreditinstitute. Auch die wenig transparente Information sei irreführend.

Nicht nur die Antitrustbehörde in Rom, auch Zentralbankchef Mario Draghi fordert die Banken auf, die Kosten für die Kunden zu senken. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes meinte zu Wochenmitte, dass die Verbraucher von den Banken abgezockt werden. Laut dem EU-Untersuchungsbericht über den Wettbewerb im europäischen Bankensektor schneiden Italiens Banken schlecht ab. So sind etwa die Kosten für grenzüberschreitende Euro-Überweisungen hier höher als in den übrigen Euro-Staaten.

182 Euro Kontospesen

Die Kontoführungsgebühren machen laut der Antitrust-Behörde 182 Euro im Jahresdurchschnitt aus. Das sind etwa 83 Prozent mehr als in den Niederlanden.

Die Deutsche Bank, die hier rund 300 Zweigstellen hat, hat sich den italienischen Gebräuchen voll angepasst. Nicht so die holländische ABN Amro, die im vergangenen Jahr die Bank Antonveneta übernahm und nun gebührenlose Girokonten anbietet.

Mit ihrem Liberalisierungsdekret ergreift die Regierung nun für den Verbraucher Partei. Industrieminister Pierluigi Bersani erließ bereits ein Verbot für Extragebühren, die bisher für die Schließung von Girokonten gefordert wurden.

Nun hat Bersani nachgebessert. Strafgebühren, die anfallen, wenn Kunden ihren Immobilienkredit früher tilgen wollen, werden künftig abgeschafft. Das kostet die Banken rund 1,5 Milliarden Euro. Bisher stellten die Banken alle drei Monate den Tag und den Wert fest, an dem eine kurzfristige Kreditlinie am meisten in Anspruch genommen wurde und berechneten auf dieser Grundlage Sondergebühren, die zu den normalen Zinsen noch hinzukommt. Diese Extrazinsen brachten den Banken bislang 2,6 bis 3 Milliarden Euro jährlich ein. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD print, 8.2.2007)