Bregenz/Lustenau - Im Bundesländervergleich hinkt das Vorarlberger Kinderbetreuungsangebot immer noch nach, kritisieren die Grünen. Mit einer maximalen Gruppengröße von 28 Kindern sei man in Österreich "Schlusslicht". Jedes zweite Kind würde in einer Gruppe von 20 bis 25 Kindern betreut. Landtagsabgeordnete Katharina Wiesflecker verweist auf die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen: "Die Kindergartenkinder scheint man vergessen zu haben." Weitere Kritikpunkte sind die Öffnungszeiten. So haben laut einer OGM-Studie 56 Prozent der "ganztägigen" Kindergärten eine Mittagsunterbrechung, in Österreich nur knapp sechs Prozent. Ein weiteres Problem für berufstätige Mütter sind die Schließtage: Mit durchschnittlich 62,5 Tagen pro Jahr liegt man weit über dem österreichischen Durchschnitt von 41,9. Weitere grüne Forderungen: gezielte Förderung für Dreijährige, mehr Sprachförderung und interkulturelles Lernen.

Wie gut neue Kinderbetreuungsmodelle bei Eltern ankommen, zeigt eine Studie des Instituts für Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie der Universität Innsbruck, die das Projekt überbetriebliche Kinderbetreuung im Lustenauer Millennium Park evaluierte. In der KIMI werden seit Herbst 2005 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zu sechs Jahren betreut. Flexible Öffnungszeiten, kleine und altersgemischte Gruppen, Zweisprachigkeit (deutsch, englisch), alternative pädagogische Modelle, interkulturelles Lernen nennen die meisten Eltern als wesentlichen Vorteile der Einrichtung. Die Zufriedenheit mit den Öffnungszeiten ist maximal.

Eingerichtet wurde der Kindergarten im Competence Center, um den Eltern durch Kinderbetreuung in Arbeitsplatznähe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Was, so die Studie, gelungen ist. 19 Mütter konnten eine Berufstätigkeit aufnehmen, die Dauer der Karenz wurde bei beinahe der Hälfte der Eltern verkürzt. Zurzeit besuchen 48 Kinder die KIMI. Noch ist KIMI die einzige Einrichtung dieser Art. (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Februar 2007)