Zum Thema Winterreifen halten sich gleich zwei Hersteller für den Pionier. Semperit und Nokian haben 1936 unabhängig voneinander und praktisch gleichzeitig den Winterreifen erfunden. Bei Nokian heißen sie seit damals "Hakkapeliitta", was "Hau drauf" heißt und zuvor ein Name für die dementsprechend agierenden finnischen Söldner im Dreißigjährigen Krieg war.

Semperit wurde von Continental übernommen, heute existiert nur mehr der Name, die Forschung wurde aus Österreich abgezogen, in der Folge die ganze Produktion.

Das Ding mit dem "n"

Der finnische Reifenhersteller wurde hingegen aus dem Nokia-Konzern herausgelöst und auf eigene Beine gestellt (Bridgestone ist zu 16 Prozent beteiligt). Zur Unterscheidung von der Handy-Sparte hängte man ein "n" an den Namen.

Die Kernpositionierung bleibt für beide Marken aufrecht: Während Semperit im Conti-Konzern den Part des Winterreifen-Spezialisten inne hat, setzt auch Nokian auf den guten Ruf seiner Winterpneus. Ein Vorteil von Nokian im Wettbewerb ist, dass man mit Skandinavien und Russland einen Heimmarkt hat, wo es rund die Hälfte des Jahres starke Minusgrade hat und wo das Geschwindigkeitsniveau niedriger ist. Dann können besonders weiche Gummimischungen verwendet werden.

Schief gelaufen

Das Beispiel Nokian zeigt deutlich, dass mit Semperit eine Menge schief gelaufen sein muss. Semperit könnte es noch in Österreich geben, wäre es damals nicht zur totalen Vermantschung von Politik und Wirtschaft gekommen.

Viele können Continental die Arbeitsplatzvernichtung in Österreich bis heute noch nicht verzeihen. Dabei darf man nicht vergessen: Conti hat nur das gemacht, was gerade üblich war, nämlich die Herstellung in billigere Länder verlagert. Die eigentlichen Fehler sind schon viel früher passiert. (rs, AUTOMOBIL, 9.2.2007)