Tokio - Toyota setzt seinen Siegeszug ungebremst fort und ist auf Kurs, das sechste Jahr in Folge ein Rekordergebnis einzufahren. Der reißende Absatz seiner vergleichsweise sparsamen Fahrzeuge in den USA und Europa bescherte dem japanischen Autobauer im abgelaufenen Vierteljahr operativ einen knapp 20-prozentigen Gewinnanstieg. Damit ist die Nummer zwei der Branche auf bestem Weg, bald mehr Autos zu verkaufen als Weltmarktführer General Motors (GM).

Das Betriebsergebnis in seinem dritten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember kletterte auf 575 Mrd. Yen (3,65 Mrd. Euro), wie Toyota am Dienstag mitteilte. Dabei profitierte der Konzern auch von der Schwäche der Landeswährung Yen, der die im Ausland erzielten Einnahmen erhöht. Der Umsatz verbesserte sich um gut 15 Prozent auf 39,5 Mrd. Euro. Die Geschäftszahlen belegen erneut den Vorsprung Toyotas vor seinen heimischen Rivalen Honda und Nissan, die in der vergangenen Woche enttäuschende Bilanzen vorlegten.

Erfolgskurs in den USA

Der Aufstieg Toyotas basiert vor allem auf seiner stürmischen Eroberung des weltgrößten Automarktes USA. Der Konzern verbuchte am Jahresende in der gesamten Region Nordamerika einen fast 20 Prozent höheren Umsatz als vor einem Jahr. Die lokalen Platzhirsche General Motors, Ford und Chrysler mussten dagegen wegen eines Mangels an spritsparenden Modellen auf ihrem Heimatmarkt drastische Einbußen hinnehmen. Die US-Autobauer fahren deshalb einen harten Sanierungskurs: Sie kündigen zehntausende Mitarbeiter und schließen zahlreiche Werke.

Viele Amerikaner steigen wegen der hohen Benzinpreise von spritfressenden Geländewagen der US-Hersteller auf sparsamere Autos um. Toyota genießt hier auch dank seines in den USA beliebten Hybrid-Modells Prius einen ausgezeichneten Ruf. Toyota verdrängte erst vor wenigen Wochen Ford vom zweiten Platz am US-Markt - Toyotas Camry war im vergangenen Jahr in den USA das meistverkaufte Auto. Mit seinem Pick-up-Modell Tundra will Toyota nun auch noch die letzte Bastion der "Detroit Big Three" erobern.

Auch der Nordamerika-Chef von Toyota, Jim Press, denkt jedoch nach eigenen Worten darüber nach, wie er Kosten im Arbeitsbereich senken kann ohne Löhne zu senken. In jedem Fall müsse der japanische Autobauer bei der Produktion effektiver werden, da steigende Kosten auf die Gewinnmargen drückten, sagte Press am Donnerstag am Rande der Chicagoer Automesse. Erreicht werden könne dies etwa durch kleinere Fabriken, verbesserte Herstellungsprozesse und weniger Teile. Dadurch werde der Arbeitsaufwand geringer.

Mehr Nettogewinn

Toyotas Nettogewinn in den drei Monaten zum 31. Dezember stieg um gut sieben Prozent auf 2,75 Mrd. Euro und lag damit ebenfalls über den Markterwartungen. Im Gesamtjahr bis Ende März peilt Toyota weiter einen operativen Rekordgewinn von rund 14 Mrd. Euro an. Die Prognose gilt jedoch als sehr konservativ, da sie auf einem höheren Yen-Kurs basiert. Einschließlich seiner Marken Hino und Daihatsu - will Toyota im Geschäftsjahr weltweit 8,47 Mio. Autos verkaufen, davon 2,9 Millionen in den USA. GM verkaufte im Kalenderjahr 2006 weltweit 9,09 Mio. Autos, davon 45 Prozent in den USA.

Toyota legte die Zahlen nach Börsenschluss vor. Im letzten Vierteljahr 2006 legten die Papiere überdurchschnittlich stark um 24 Prozent zu. Wegen seines Erfolgs ist das Unternehmen an der Börse mittlerweile fast 180 Mrd. Euro wert und damit mehr als jeder andere Autobauer. (APA/Reuters)