Der Milliarden-Kampf um Indiens viertgrößten Mobilfunkanbieter Hutchison Essar geht in die entscheidende Phase. Interessenten mussten am Freitag ihre Angebote einreichen, wie mit dem Bieterverfahren vertraute Personen berichteten. Dennoch werde eine Entscheidung voraussichtlich noch Wochen auf sich warten lassen: "Das wird sich bis März hinziehen." Mehrheitseigner Hutchison wolle die Gebote am Sonntag sichten, berichteten indische Medien.

Branchenexperten beziffern den Wert des indischen Mobilfunkbetreibers auf bis zu 20 Mrd. Dollar (15 Mrd. Euro).

Dem erfolgreichen Käufer winkt in den kommenden Jahren ein kräftiges Wachstum: Bisher haben nur zwölf Prozent der Inder ein Handy. In zwei Jahren dürften es schon doppelt so viele sein, in vier Jahren drei mal so viele.

Zum Verkauf steht ein 67-prozentiger Firmenanteil, der letztlich vom Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa des Milliardärs Li Ka-Shing kontrolliert wird. Der reichste Mann Asiens ist berühmt für sein gutes Timing: Er verkaufte die Handy-Firma Orange während des Telekom-Booms 1999 an Mannesmann und machte dabei 15 Milliarden Dollar Gewinn.

Im Rennen um die Kontrolle von Hutchison Essar sind der britische Gigant Vodafone und drei indische Firmen: der Branchenzweite Reliance Communications, der Mischkonzern Hinduja und Hutchisons indischer Partner Essar, der bereits an Drittel an dem Mobilfunker hält. Einem indischen Medienbericht zufolge kommt als fünfter Bieter die Telekomsparte der russischen Alfa Group ins Spiel.

Hutchison Essar hat einen Marktanteil von 16 Prozent in Indien und ist damit die Nummer vier nach Bharti Airtel, Reliance und dem Staatsunternehmen Bharat Sanchar Nigam. Die Firma gilt auch wegen des hohen Umsatzes pro Nutzer als attraktives Übernahmeziel. Vodafone will schon seit längerem seine Position in Indien ausbauen. Der Konzern hält bereits zehn Prozent am Branchenprimus Bharti Airtel, der jedoch wenig Interesse an einem Verkauf weiterer Anteile zeigt.

Hutchison Whampoa ist über sein Tochterunternehmen Hutchison Telecommunications International an dem indischen Mobilfunker beteiligt - Branchenexperten bezeichnen den Anteil als "Kronjuwel" des Portfolios. Ursprünglich wollte Hutchison den Netzbetreiber an die Börse bringen. Diesen Plan durchkreuzten jedoch neue Börsenregeln und ein Streit mit dem Partner Essar. Deshalb sind Branchenkenner überzeugt, dass Hutchison einen "angemessenen" Preis annehmen würde, damit der Deal schnell über die Bühne geht.(APA/Reuters)