Wien - Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) hat als Folge der UN-Resolution vom vergangenen Dezember die technische Zusammenarbeit mit dem Iran teilweise ausgesetzt. Sie wurde in bestimmten Bereichen um die Hälfte reduziert, wie es in einem Bericht der IAEO-Führung an den Gouverneursrat der Atombehörde vom Freitag heißt. Der Gouverneursrat muss der Einstellung der Hilfsprogramme bei seiner nächsten Sitzung im März noch endgültig zustimmen.

Insgesamt wird die in Wien ansässige Behörde 22 von 55 Projekten vorläufig stoppen. An 40 Projekten sind auch andere Länder beteiligt. Grund für die UN-Sanktionen ist die Weigerung des Iran, die Arbeiten zur Urananreicherung zu beenden.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, wird die IAEO nicht alle der strittigen Projekte komplett "einfrieren", sondern sie noch in ihren einzelnen Elementen überprüfen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am 23. Dezember einstimmig eine Resolution (1737) mit Sanktionen gegen den Iran beschlossen. Darin wird die IAEO aufgefordert, alle Aktivitäten zu stoppen, die dem Iran bei dem Bemühen um Atomwaffen helfen könnten. Nur noch solche Projekte werden aufrechterhalten, die eindeutig "der Nahrungsmittelproduktion, Landwirtschaft, Medizin, Sicherheit oder humanitären Zwecken" dienten. Die Atombehörde werde darüber hinaus alle anderen laufenden Projekte weiter daraufhin überprüfen, ob sie den Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrags entsprechen.

Zu den von der IAEO bisher direkt geförderten und technologisch unterstützten Nuklearprogrammen gehört unter anderem die Produktion und Entwicklung von Strahlungsquellen und von Mitteln für die Radiotherapie und gezielte Krebsbehandlung.

Der Gouverneursrat hatte bereits im November einen Antrag Teherans auf technische Unterstützung für den Bau des umstrittenen Schwerwasserreaktors bei Arak abgelehnt. In dem Reaktor, in dem der Iran offiziell radiologische Mittel zur Behandlung von Krebskranken entwickeln will, würde im laufenden Betrieb spaltbares Plutonium entstehen, mit dem ohne weitere Anreicherung Atomwaffen gebaut werden könnten.

Larijani kommt nun doch zu Münchner Sicherheitskonferenz

Der iranische Atom-Unterhändler Ali Larijani kommt nun doch zur Münchner Sicherheitskonferenz. Dies teilte am Freitag der Sprecher der Konferenz, Klaus Treude, mit. Zuvor hatte die iranische Nachrichtenagentur IRNA vermeldet, Larijani habe seine geplante Teilnahme an der Münchner Konferenz ebenso wie ein kurz davor geplanten Treffen mit dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO), Mohamed ElBaradei, am Freitag in Wien aus Gesundheitsgründen abgesagt.

Der Bericht von IRNA bezog sich auf Quellen in München. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA teilten nicht-offizielle Vertreter des Iran dagegen mit, Larijani sei bereits abgereist.

IAEO-Sprecherin Melissa Fleming hatte gesagt, die Absage des Treffens Larijanis mit ElBaradei habe "technische Gründe" gehabt. Am Freitag beschloss die IAEO, rund die Hälfte ihrer Hilfe für den Iran auszusetzen.

Der Sicherheitsrat verdächtigt Teheran, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Die iranische Regierung bestreitet dies seit Jahren. (APA/dpa/AP/ANSA)