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Falsche Noten für die Nazis: Salomon Sorowitsch (Karl Markovics) in Stefan Ruzowitzkys "Die Fälscher".

Foto: APA/JUERGEN OLCZYK
Von der Todestreppe im Konzentrationslager Mauthausen bis ins Casino nach Monte Carlo ist es ein langer Weg. Salomon Sorowitsch, den Helden in Stefan Ruzowitzkys Wettbewerbsbeitrag Die Fälscher , lernen wir zu Beginn aber tatsächlich an der Côte d'Azur kennen, mit einem Koffer voll Geld. Nur die tätowierte Nummer auf seiner Hand weist ihn als früheren Gefangenen der Nazis aus. Was mag dieser Mann für eine Geschichte haben?

Diese Frage beantwortet Ruzowitzky in einer Mischung aus Farce und Todesdrama. In Berlin vor dem großen Krieg ist Salomon Sorowitsch (Karl Markovics) ein berühmter Fälscher. Die Frauen liegen ihm zu Füßen (so hat Marie Bäumer einen Quoten-Auftritt, wie er nur in Koproduktionen vorkommt), die Kriminalpolizei ist ihm auf der Spur. Sorowitsch wird verhaftet, er kommt in das KZ Mauthausen, schlägt sich eine Weile durch, bis seine besonderen Talente als nützlich und kriegswichtig erkannt werden. Er wird Chef einer Geldfälscherbrigade, die Dollars und Pfund Sterling für die Nazis produziert.

Autobiographie von Adolf Burger

Für den deutsch-österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky (Die Siebtelbauern, Anatomie) stellt Die Fälscher eine Gelegenheit dar, einmal einen anderen Blick auf die KZ-Welt zu werfen: "Die meisten Überlebenden, die ihre Erfahrungen niedergeschrieben haben, waren Intellektuelle. Wie war es aber mit Arbeitern und Handwerkern, die durchkamen? Wohlgemerkt in einem KZ, nicht in einem Vernichtungslager."

Die Fälscher beruht auf der Autobiographie von Adolf Burger, der miterlebt hat, wie die Nazis in großem Stil Devisen herstellen ließen - sie wollten damit die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht bringen. Auch im Film sind sich die Häftlinge der Folgen ihres Tuns bewusst. Es gibt den Kommunisten (August Diehl), der alles daran setzt, durch Sabotage den Druck der Banknoten zu verhindern. Sorowitsch hingegen geht es lange Zeit nur um das eigene Überleben - er geht einen prekären Pakt mit einem SS-Mann (Devid Striesow) ein.

Ruzowitzky filmt häufig mit Handkamera, sein Film ist zugleich altmodisch (in der Figurenzeichnung) und modern (in seiner Ästhetik). Er zeigt wenig Respekt vor den problematischen Konventionen, die das Kino für die Darstellung der Konzentrationslager entwickelt hat: "Ich erinnere mich an KZ-Filme, die waren ganz fürchterlich, da taumeln die Opfer von einer schön ausgeleuchteten Ecke in die andere, da fährt die Krankamera, und alle sind perfekt geschminkt usw. Ich wollte da mehr das Unmittelbare, Authentische reinkriegen."

Das geht wohl auch nur deswegen, weil von Beginn an feststeht, dass es eine Art Happyend gibt. Wenn man allerdings im Gesicht von Sorowitsch liest, wird man feststellen, dass diese Geschichte auch an einem leichtlebigen Mann nicht spurlos vorüber geht. (Bert Rebhandl aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.2.2007)