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Überlebte Giftanschlag Israels: Khaled Meschaal, Chef der "Außen-Hamas".

Foto: Reuters
Zu Lebzeiten des 2004 von den Israelis getöteten Hamas-Gründers Scheich Ahmed Yassin lag die Befehlsstruktur der radikalislamischen Palästinensergruppe im Nebel. Man wusste nicht genau, wer dort letztlich die wichtigen Entscheidungen traf. Heute ist das ziemlich klar.

Beim palästinensischen "Versöhnungsgipfel" in Mekka hätte von seinem Amt her der aus Gaza angereiste Premier Ismail Haniyeh der Wortführer der Islamisten sein müssen, im Blickpunkt stand aber der im Exil in Damaskus lebende Mann mit dem grau melierten Bart und dem offenen Hemdkragen. Als Chefs der "Innen-Hamas", die im Westjordanland und im Gazastreifen operiert, gelten Haniyeh und der jetzt als Außenminister fungierende Mahmud A-Sahar, der seinen Posten verlieren wird, falls die Einheitsregierung wirklich zustande kommt. Doch wenn es um einen Koalitionsvertrag, eine Waffenruhe oder einen Gefangenenaustausch geht, dann ist die "Außen-Hamas" die Adresse, personifiziert in Khaled Meshaal.

Giftspritze

International bekannt wurde sein Name im September 1997, als ein israelisches Geheimdienstkommando versuchte, Meshaal in Amman auf offener Straße zu "liquidieren." Die Mossad-Agenten konnten ihm eine Giftspritze verpassen, zwei von ihnen wurden aber festgenommen, und der damalige jordanische König Hussein setzte Israels Premier Benjamin Netanyahu derart unter Druck, dass dieser das Gegengift liefern und zudem Scheich Yassin aus der Haft entlassen musste.

Die Familie des 1956 bei Ramallah im Westjordanland geborenen Meshaal floh nach dem Sechstagekrieg von 1967 nach Kuwait, wo er später Physik studierte und islamistische Studentenpolitik betrieb. Wegen der irakischen Invasion und des Golfkriegs ging Meshaal 1991 nach Jordanien, wurde dort Mitglied des Hamas-"Politbüros" und 1996 dessen Leiter. Nachdem er sich von dem Giftanschlag erholt hatte, wurde der Vater von vier Söhnen und drei Töchtern nach Katar ausgewiesen und ließ sich dann in Damaskus nieder, wo er seither das Hamas-Büro leitet.

Nach dem Hamas-Wahlsieg im Jänner 2006 war es immer wieder Meshaal, der die Hoffnungen dämpfte, die Islamisten könnten sich mäßigen. Ein definitiver Verzicht auf Gewalt und Terror etwa kommt für Meshaal nicht infrage, denn "bewaffneter Widerstand ist legitim, und alle Möglichkeiten des Widerstands stehen dem palästinensischen Volk offen". Jene Palästinenserzelle, die im Sommer den israelischen Soldaten Gilad Shalit verschleppte und damit eine große Militäraktion auslöste, hört nach israelischen Einschätzungen auf Meschaal. Er wäre es demnach, der grünes Licht geben müsste für einen Austausch, der als Vorbedingung für den Start ernsthafter Gespräche gilt. (Ben Segenreich, DER STANDARD, Printausgabe 10./11.2.2007)