Ja, ein kleiner Phantomschmerz ist uns geblieben. Jeden Sonntag regt er sich, lässt uns vormittags ORF 2 aufsuchen, hoffen, es würde jene Kunstsendung auferstehen, die einst in monotoner Form, aber doch, auf kommende Ereignisse einstimmte. Oder: Wenn schon nicht diese, so doch ein Beitrag, nahende Kunstereignisse betreffend. Die kommende Netrebko-Staatsopern-Premiere etwa.

Mittlerweile haben natürlich sogar wir begriffen, dass die sonntägige Vormittags-"Kulturstrecke" lieber von der EU-Kunst, eine Torte oder einen Braten zuzubereiten, erzählt, als von Kulturereignissen im engeren Sinne. Und wenn letztere doch zum Zug kommen, so im Regelfall als schon gezeigte Archivware. Klar, da gibt es Schätze, sie lindern den Phantomschmerz. Doch mirakulös sind die Auswahlkriterien. Als nun der Bassbariton Otto Edelmann (2003 gestorben) samt Söhnen mit dem Porträt "Edelmänner" (aus 2001!) auftauchte, wo er doch bereits am 5. Februar (!) seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, war sicher, dass sich der Kulturvormittag in seiner Schrulligkeit selbst übertroffen hatte.

Kompliment zur Verhöhnung jeglicher journalistischer Auswahlkriterien aus dem Geiste der Sparsamkeit! Aber bitte jetzt nicht nachlassen! Wenn es darum geht, TV-Zeit nicht nur skurril, sondern noch billiger zu füllen, ein Vorschlag: Ersetzt die Rett durch die Rett. Statt sie aktuell moderieren zu lassen, wählt aus dem Archiv ihre thematisch passenden Statements aus der "Treffpunkt-Kultur"-Epoche, baut sie ein. Ist sicher was dabei! (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 12.2.2007)