Seit 16 Jahren bei der Verkehrspolizei und ohne Berührungsängste mit laut sprechenden, wild gestikulierenden Beamtshandelten: Kurosch Meghdadi.

Foto: DER STANDARD/Robert Newald
Beim Bundesheer abgelehnt, bei der Wiener Polizei willkommener Kollege: Der 42-jährige gebürtige Iraner Kurosch Meghdadi kennt "die Mentalität der Asiaten" und hilft, Sprachbarrieren bei Amtshandlungen zu überwinden. Künftig soll es mehr Beamte wie ihn geben.

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Wien - "Einmal hat mich ein Bosnier als Rassisten beschimpft, weil ich ihn zum Alko-Test aufgefordert habe", beschreibt Kurosch Meghdadi eines der einprägsamsten Erlebnisse seiner 16-jährigen Dienstzeit als "weiße Maus" bei der Wiener Verkehrspolizei. Der Mann hatte ihm vorgeworfen, ihn nur wegen seines Glaubens bestrafen zu wollen. Da habe er die erste Sure des Koran rezitiert und einige Überraschung bei seinem Gegenüber ausgelöst. "Ich bin Mohammedaner", bekennt Meghdadi - als gläubig würde er sich aber nicht bezeichnen.

"Ich habe meine Jugend in Teheran verbracht und kenne die Mentalität der Asiaten", erklärt der gebürtige Iraner. Deswegen habe er keine Berührungsängste mit wild gestikulierenden, laut sprechenden Menschen, die gerne einmal ihren Gesprächspartner "betatschen" - was von vielen als Angriff gedeutet werde. "Wenn man damit umgehen kann, läuft die Amtshandlung ganz anders ab", spricht Meghdadi aus Erfahrung. Weil er Farsi spricht und sich daher mit Iranern und Afghanen unterhalten kann, können auch Sprachbarrieren schnell überwunden werden.

1964 in Teheran geboren, zog Meghdadi 1978, wenige Monate vor dem Sturz des persischen Schahs, mit seiner Familie nach Österreich. Nach der Matura und zwei "erfolgreich abgebrochenen" Studienanfängen, strebte er eine Karriere beim Militär an, wegen seiner Doppelstaatsbürgerschaft wurde er jedoch als "militärisch ungeeignet" abgewiesen. "Das hat weh getan", räumt Meghdadi ein, der sich kurz darauf bei der Polizei bewarb und 1985 als Bezirkspolizist in Favoriten seine Laufbahn in Uniform begann.

Anfangs seien schon einige Kollegen erstaunt gewesen, erinnert sich der 42-Jährige, und hätten ihm nahe gelegt, doch seinen Namen zu ändern. Das kam aber nie infrage: "Ich bin stolz auf meine Herkunft und meinen Beruf." Rassistische Anfeindungen habe er nie erlebt, höchstens Witzchen, "aber nie unter der Gürtellinie". Was Polizeigewalt gegen Asylwerber und Migranten betrifft, glaubt Meghdadi, dass "da viel mehr Rassismus hineininterpretiert" wird. Jedem aber müsse klar sein: "Sobald man den Kreis verlässt, kriegt man eine verpasst."

Dolmetschdienste

"Jeder Tag ist eine neue Herausforderung", begründet Meghdadi seine Faszination für seinen Job als "Mot". Neben Verkehrsüberwachung begleitet er Demos, lotst Gefahrentransporte oder eskortiert Staatsbesuche. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse wird er auch immer wieder als Dolmetscher hinzugezogen.

Die Erfahrungen von Polizisten mit Migrationshintergrund will die Wiener Polizei verstärkt nutzten. Mit einem Konzept, das noch mit der früheren Integrationsstadträtin Sonja Wehsely (SP) ausgearbeitet wurde, soll der Zugang von Zuwanderern zur Exekutive erleichtert werden. Bei der Aufnahmeprüfung sollen Kenntnisse "fremder Kulturen" mit Zusatzpunkten belohnt werden, wie es der derzeitige Landespolizeikommandant Karl Mahrer ausdrückt. Zudem ist vorgesehen, Deutschkurse für Interessenten zu vergünstigen und "auf die Zielgruppen zuzugehen, um sie über den Beruf zu informieren". Die neue Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SP) kündigt eine Arbeitsgruppe mit Experten und Polizisten an, um zu analysieren, welcher Bedarf besteht. Mahrers Wunsch: "Ein, zwei Migranten" pro Inspektion. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 12. Februar 2007)