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Der Augarten

Foto: APA/HEINZ ZEGGL

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Computerrendering des geplanten 400 Zuschauer fassenden Konzertsaales

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Wien - Die Grünen sprechen sich weiter gegen den geplanten Bau eines neuen Konzertsaales für die Wiener Sängerknaben im Augarten aus. Es gehe nicht an, "die öffentlichen Räume einer Tourismusfalle zu opfern", zeigte sich Kultursprecher Wolfgang Zinggl (G) am Montag in einer Pressekonferenz empört. Nach bisherigen Planungen soll heuer mit dem Bau auf einem brachliegenden und bereits als Bauland gewidmeten Parkgrundstück in der Nähe des Filmarchivs begonnen werden.

Hier gehe es um einen "verkitschten Pseudohistorismus", den ein privater Verein auf öffentlichem Grund plane, so der Grüne Kultursprecher. Man dürfe den Augarten (von Zinggl einmal versehentlich als "Baugarten" bezeichnet) nicht scheibchenweise wirtschaftlichen Interessen opfern.

Versuche, Stücke vom Augarten "anzuknabbern"

Es werde immer wieder versucht, vom Augarten ein Stück anzuknabbern, erinnerte die Wiener Planungssprecherin Sabine Gretner (G) an einstige Planungen für ein Sportzentrum des jüdischen Vereins Hakoah oder einen Datenspeicher im Augarten-Flakturm. Es käme ja auch niemand auf die Idee, im Burggarten einen Konzertsaal zu bauen, bemühte sie einen Vergleich.

Alternativstandorte Stadtentwicklungsgebiete am Nordbahnhof- oder am Nordwestbahnhofgelände

Der geplante Bau werde nicht nur einen möglichen Zugang in den Augarten an der fraglichen Stelle verhindern, sondern auch Verkehr anziehen. Immerhin soll der Konzertsaal gut 400 Zuschauern Platz bieten. Als Alternativstandorte empfehlen die Grünen die Stadtentwicklungsgebiete am Nordbahnhof- oder am Nordwestbahnhofgelände.

Das von den Wiener Sängerknaben auserkorene Areal im Augarten gehört dem Bund und ist derzeit der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Laut Sängerknaben ist der geplante Neubau notwendig, da es im nahe liegenden Stammsitz, dem Augarten-Palais, keine entsprechende Aufführungsstätte gibt.

Direktor geht trotz Kritik von Baubeginn im Herbst aus

Die Wiener Sängerknaben gehen trotz der Kritik der Grünen davon aus, mit dem Bau ihres geplanten Konzertsaales im Augarten im Herbst beginnen zu können. Man wolle im März das Projekt einreichen, bestätigte Sängerknaben-Direktor Eugen Jesser der APA. Dabei halte man am Standort im barocken Augarten fest: "Ein Alternativstandort fällt mir im Grunde nicht ein", so Jesser.

Das betroffene Areal sei bereits als Bauland gewidmet und der Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich. Auch habe sich dort einstmals bereits eine Tankstelle und ein Gasthaus befunden. Außerdem spreche man lediglich von 0,2 Prozent des Augartens.

Alternativstandorte für die Buben zu weit entfernt

Die von den Grünen vorgeschlagenen Alternativstandorte Nordbahnhof- oder Nordwestbahnhofgelände kommen für ihn dagegen nicht in Frage. Diese lägen für die Buben wesentlich weiter entfernt. Außerdem könne man dort erst in ein paar Jahren mit dem Bau beginnen.

Beim Augarten-Projekt wolle man dagegen bereits im kommenden Monat die Einreichpläne für das Gebäude einbringen, welche die Grundlage für eine Baubewilligung darstellen. Bei der Bauverhandlung, die dann im Laufe des Frühjahres folgen soll, rechnet Jessner mit Einspruch der Anrainerinitiativen gegen den Konzertsaal. Deshalb können die Bauarbeiten wohl erst im Herbst - und nicht wie ursprünglich geplant bereits vor dem Sommer - beginnen.

Das unter Denkmalschutz stehende Gesindehaus und ein Stück barocker Mauer werden dabei nicht in das Neubauprojekt integriert. "Es schaut einfach furchtbar aus", charakterisierte Jessner diese Idee.

Keine Integration der Altbauten

Auch Klaus Ebner vom zuständigen Architektenbüro Archipel bestätigte, dass man die Altbauten wegen des Raumbedarfs nicht integrieren könne. Überdies eigne sich deren Substanz nicht. Deshalb sei man mit dem Bundesdenkmalamt übereingekommen, sie abzutragen. (APA)