Rotenburg - Auch eine Woche nach der Festnahme von zwei Verdächtigen wegen des Blutbads im deutschen Ort Sittensen ist der Fall für die Polizei noch lange nicht gelöst. Da die beiden inhaftierten Vietnamesen nach wie vor zu dem siebenfachen Mord in dem China-Restaurant schweigen, ist die Sonderkommission nach eigenen Angaben auf Indizien angewiesen. "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen", sagte Polizeisprecher Christoph Steinke am Montag. Der Anwalt eines der Verdächtigen wollte Anfang der Woche Einblick in die Akten nehmen.

Die Sonderkommission "Lin Yue" ermittelte nach eigenen Angaben auch am Montag rund um die Uhr. Sie verfolge immer noch mehr als 250 Hinweise aus der Bevölkerung. "Es laufen jede Menge Überprüfungen", sagte Steinke. Unter Hinweis auf die Ermittlungen wollte er sich jedoch nicht dazu äußern, ob es sich um die Durchsuchung weiterer Wohnungen oder die Kontrolle möglicher Verdächtiger handle. Auch Medienberichte, wonach die Ermittler prüfen, ob es sich bei den Männern um Auftragskiller handelt, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Beweise ausgewertet

Parallel zur Arbeit vor Ort führte das Landeskriminalamt in Hannover kriminaltechnische Untersuchungen durch. "Die Beweismittel der Tatortgruppe sind überwiegend an uns übergeben worden", sagte LKA-Sprecher Frank Federau. Nun würden die im Restaurant sichergestellten Beweise ausgewertet. Wie lange der Vorgang dauern werde, sei noch nicht zu sagen. Zu Medienberichten, wonach es sich bei den Tatwaffen um Neun-Millimeter-Kaliber gehandelt haben soll, machte das LKA keine Angaben.

Auch der Anwalt einer der beiden Verdächtigen wollte am Montag keine näheren Angaben zu dem Fall machen. Er werde erst an diesem oder dem folgenden Tag Einblick in die Ermittlungsakte erhalten. "Dann erst werde ich Näheres dazu sagen", erklärte Verteidiger Wilfried Behrendt. Er betonte erneut, sein Mandant bestreite, etwas mit der Tat zu tun zu haben. "Und als guter Anwalt glaube ich ihm erstmal", sagte Behrendt.

Verdächtige sind polizeibekannt

Laut Medienberichten hatte Behrendt den gegen seinen Mandanten erlassenen Haftbefehl als "sehr dünn" bezeichnet. Bisher hätten keine Verbindungen zur organisierten Kriminalität nachgewiesen werden können. Behrendt gab laut "Bild am Sonntag" an, seinen Mandanten schon länger zu kennen, ließ aber offen, bei welchen juristischen Problemen er ihn bisher beraten habe. Laut "Spiegel" sind beide Verdächtige der Polizei bekannt. Einer sei in eine "Drogensache" verwickelt gewesen, gegen den anderen sei im Zusammenhang mit Drogen, Diebstahl und versuchter Nötigung ermittelt worden.

In dem China-Restaurant "Lin Yue" in Sittensen südlich von Hamburg waren in der vergangenen Woche sieben Menschen erschossen worden. Nur ein zweijähriges Mädchen - die Tochter der Restaurantbesitzer - überlebte. Bereits einen Tag nach der Tat nahm die Polizei zwei Verdächtige fest: zwei Vietnamesen im Alter von 31 und 33 Jahren. Ihr Wagen war von Zeugen am Tatort gesehen worden, und sie hatten Aufzeichnungen mit möglichen Verbindungen zum Tatort bei sich.

Auf der Suche nach dem möglichen Motiv vermuteten Medien zunächst einen Zusammenhang mit den chinesischen Triaden, anschließend mit der vietnamesischen Zigaretten-Mafia und Schutzgeldzahlungen. Einige brachten auch mögliche Spielschulden des Restaurant-Besitzers ins Gespräch. In Sittensen sei "Asian Poker" gespielt worden, ein Spiel mit oft hohen Einsätzen, berichtete der "Spiegel" am Montag. (APA/AP)