Brüssel - Europa muss nach Ansicht der EU-Kommission dringend sein Image auf dem globalen Markt für umzugswillige Arbeitskräfte korrigieren. Derzeit zieht die EU vor allem unqualifizierte Arbeitskräfte an, während es gut ausgebildete Ärzte oder Ingenieure aus Afrika fast ausschließlich in die USA oder Kanada zieht. Die Brüsseler Behörde will dieses Problem mit einer europäischen "Blue Card" für qualifizierte Arbeitskräfte lösen. Ein entsprechender Richtlinienvorschlag soll im September kommen, kündigten hochrangige Kommissionsbeamte am Dienstag in Brüssel an. Weitere Regeln für die legale Einwanderung und Integration von Migranten sollen 2008 und 2009 folgen.

Laut hochrangigen Kommissionsbeamten leben derzeit vier bis sieben Millionen Menschen illegal in der EU. Pro Jahr kommen etwa 500.000 Flüchtlinge dazu. Etwa 80 Prozent der unqualifizierten Migranten aus Afrika landen in Europa, die Hochqualifizierten wandern indes je zur Hälfte in die USA oder nach Kanada aus. "Diese Länder haben funktionierende Einwanderungssysteme. Europa hinkt hier hinterher", so die Kommissionsexperten. Um im globalen Wettbewerb um die gut ausgebildeten Menschen aus anderen Kontinenten bestehen zu können, brauche die EU "eine gewisses Migrations-Profil" und vor allem einen klaren Rechtsrahmen.

Neue Richtlinie im Herbst

Im Herbst will die Kommission nun ihre Vorschläge für eine Richtlinie für die Zulassung von qualifizierten Arbeitskräften nach Europa präsentieren. Überlegt wird die Einführung einer Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung nach dem Muster der amerikanischen "Green Card", genannt "Blue Card", heißt es aus der Kommission. An den Details dazu, etwa ob die Zulassung an ein bestimmtes Mitgliedstand gebunden ist, werde noch gearbeitet. Zudem soll es eine Rahmenrichtlinie für legal in der EU lebende ausländische Arbeitskräfte geben.

Parallel zu den Vorschlägen für legale Einwanderung will die EU-Behörde auch den Kampf gegen illegale Migration verstärken. Bereits im Mai komme der geplante Gesetzesentwurf zu Strafen für Arbeitgeber, die illegale Arbeitskräfte beschäftigen, kündigten die Beamten an. Außerdem werde die Kommission härter gegen die Schlepper-Netzwerke vorgehen, "Das ist organisierte Kriminalität und ein Riesengeschäft", so ein Beamter. Menschenschmuggel sei ähnlich umsatzträchtig wie Zigarettenschmuggel.

Einbürgerung

Geplant ist auch eine Studie zur Einbürgerung von illegal im Land lebenden Menschen. Größere Legalisierungs-Wellen in Spanien und Italien hatten zuletzt in der EU zu Kontroversen geführt. Ob daraus EU-Gesetze resultieren werden, sei noch nicht absehbar, hieß es.

Keine rechtsverbindlichen Maßnahmen aber eine neue Website, ein neues Handbuch und regelmäßige Berichte und Treffen soll es in der EU künftig zum Thema Integration geben. EU-weit gelten hier bisher Regeln für Familienzusammenführung sowie die Nicht-Diskrimierungs-Bestimmungen für lange im Land lebende Ausländer. (APA)