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Redet Maier über den Riesenslalom, so vermeidet er wie so oft die Ichform. "Man", sagt er, "müsste schon Unmögliches schaffen."

Foto: Reuters/Leckel
Benno Zelsacher aus Åre
"Der Benni wird sich sicher durchsetzen. Er ist gut in Form. Und er wird in Ruhe gelassen." Das sagt Hermann Maier über seinen Mannschaftskollegen Benjamin Raich, den Olympioniken und regierenden Weltcupsieger im Riesenslalom. Maier denkt dabei nicht nur an den Riesenslalom, sondern auch an den Slalom und den Teambewerb, den er selbst voraussichtlich nicht schmücken wird. "Ich hab schon mit den Trainern darüber geredet. Für mich spielt der Weltcup heuer noch eine große Rolle, ich will mich gleich nach meinem letzten WM-Auftritt für die Rennen in Garmisch vorbereiten."

Handelt es also nun um die allerletzte WM, frug man etwas unkonkret nach. "In zwei Jahren gibt es sicher in Val d'Isère eine WM." Mit Maier? "Das lasse ich noch offen." Jedenfalls sei die Zeit für ihn sehr intensiv gewesen, auch hier in Åre. "Die Umstände haben es nicht leichter gemacht." Er spricht damit den Konflikt mit Armin Assinger an, seinen offenen Brief, und er versichert, dass er diesen selbst verfasst habe. "Kritik gehört her", sagt er zum Thema, das das Land bewegt und das zum ersten Mal seit dem Motorradunfall seine Homepage zusammenbrechen ließ. "Aber wenn man so an den Pranger gestellt wird, muss man sich einfach wehren. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, habe fest überlegt, und ich wollte damit niemanden beleidigen. Jetzt ist die Sache für mich gegessen."

Auch der Sport kostete Maier viel Kraft. Er scheint müder geworden zu sein. "Ich habe sehr viel Energie in den Su-per-G investiert." In diesem verfehlte er Bronze als Siebenter um vier Hundertstel einer Sekunde, übrigens ex aequo mit dem Kanadier Jan Hudec, der in der Abfahrt dann Silber holte, in der Maier 13. wurde. Deshalb sagt er: "Im Teambewerb sollte man anderen die Chance geben, eine Medaille zu gewinnen. Ich habe ja schon genug davon gesammelt." Das sind zwei WM-Goldene in Vail 1999 (Abfahrt und Super-G), Abfahrts-Silber und Super-G-Bronze bei der WM 2001 in St. Anton, Super-G-Silber bei der WM 2003 in St. Moritz, die Goldene im Riesenslalom vor zwei Jahren bei der WM in Bormio.

Dazu kommen sein olympisches Erscheinen 1998 in Nagano mit dem legendären Abfahrtsstern und den darauf folgenden Goldenen im Riesenslalom und im Super-G, der aussichtslose Versuch, nach dem Motorradunfall im Sommer 2001 noch die Spiele 2002 in Salt Lake City zu erreichen, und die Vorstellungen 2006 in Turin, wo er sich Silber im Super-G und Bronze im Riesenslalom nahm.

Das rote Trikot Bei diesem Rennen schaffte er es zum bisher letzten Mal auf ein Riesenslalomstockerl. In der heurigen Saison war ein zehnter Platz in Beaver Creek seine bisher fetteste Beute. Heute, im diesbezüglichen WM-Rennen, gilt Maier deshalb auch als Außenseiter, wenngleich er das rote Trikot des regierenden Champions trägt, wenngleich er bisher noch von jedem Großereignis, an dem er teilgenommen hat, eine Medaille heim nach Flachau gebracht hat.

"Es wird sehr schwer werden, ich werde vom Start weg ans Limit gehen", sagt Maier, wenn er vom Riesenslalom spricht, und wie so oft vermeidet er die Ichform: "Man müsste schon Unmögliches schaffen." In Bormio sei es auch deshalb leichter gewesen, weil die Abfahrt termingerecht stattfand, der Riesenslalom aber um einen Tag verschoben wurde (TV-Streik), in Åre ist die Abfahrt dem Riesenslalom näher gerückt (Wetter).

"Es ist nicht einfach, von Jahr zu Jahr besser zu werden", meint der 34-Jährige, wenn er an seine Arbeit als Skirennläufer denkt. Andersrum: "Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Aber ich resigniere nicht." Zur Rolle, die er bisher in Åre spielte, sagt er: "Ich bin ein Verlierer. Aber es gibt hier viele Verlierer, viele gescheiterte Favoriten."

Nicht alle sind gescheitert, so gewann der Weltcup-Gesamtführende Aksel Lund Svindal die Abfahrt, im Riesenslalom liegt er auch voran. Den letzten Riesentorlauf vor der WM, jenen auf dem Kuonisbergli in Adelboden, gewann Benjamin Raich, der auch beim vorjährigen Weltcupfinale auf dem Åreskutan siegte. Raich: "Wenn man bei dieser WM Namen nennt, sind es meistens die falschen."