Es ist eines der jüngsten Forschungsinstitute Österreichs, was nicht nur am Gründungsdatum liegt. Am 2005 eröffneten Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel in Graz arbeiten nämlich vor allem Nachwuchswissenschafter - ein Gutteil an ihren Diplomarbeiten und Dissertationen.

Auch die Leitung des rund 40 Mitarbeiter zählenden Instituts, formal zur Universität Graz gehörend und vom Land Steiermark und der Stadt Graz kofinanziert, ist für österreichische Maßstäbe nachgerade jugendlich: Die beiden Direktoren, der Geophysiker Gottfried Kirchengast und sein Vize, der Volkswirt und Klimaökonom Karl Steininger (s. Interview), sind gerade einmal 41 Jahre alt. Kirchengast hatte bereits 1998, als er den START-Preis gewann, erste Ideen zu seinem Institut. Ab dem 2003, als er die ordentliche Professor für Geophysik an der Universität Graz antrat, konnte er sich an die Realisierung machen.

Neben der Tugend der Jugend stehen Kirchengast/Steiniger aber aber auch für etwas anderes ein: nämlich die durch und durch interdisziplinäre, internationale Ausrichtung des Instituts, das nach dem deutschen Forscher Alfred Wegener benannt ist, der die Kontinentalplattendrift entdeckte und vor seinem Tod bei einer Polarexpedition im Jahr 1930 die Gründungsprofessur für Geophysik in Graz inne hatte. In den Worten von Gottfried Kirchengast: "Wir spannen mit unseren Forschungen die Brücke zwischen dem, was in der Natur passiert, und dem, was das auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene bedeutet."

Junge Wissenschafter aus der Geo- und Klimaphysik, Meteorologie, Volkswirtschaftslehre, Geografie und Regionalforschung forschen unter einem gemeinsamen Dach an insgesamt rund zwei Dutzend parallel laufenden Projekten, die von satellitenunterstützten Methoden zur Fernerkundung des Klimasystems über regionale Klimamodell-Modellierung bis zu ökonomischen Anpassungsstrategien an den Klimawandel reichen.

Was die Forscher und ihre Projekte vereint, sind zwei gemeinsame Ziele, die aktueller und dringlicher denn je sind: Die Forscher wollen besser verstehen, welche Folgen der Klimawandel hat. Und sie entwickeln konkrete Vorschläge, wie wir uns - auch konkret in Österreich - darauf vorbereiten und was wir dagegen tun können. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Februar 2007)