Wien - Als Herr B. dement wurde, brauchte er Hilfe. Beim Waschen, beim Anziehen, bei den vielen Kleinigkeiten des täglichen Lebens.

Zuerst versuchte es die Tochter in einem Pflegeheim. Dort bezahlte sie 3000 Euro im Monat für die Rundumbetreuung ihres Vaters. Aber der war trotzdem unglücklich. "Jedes Mal, wenn ich ihn besucht habe, war sein letzter Satz 'und wann gehen wir ham?'" erzählt Frau R. dem Standard.

Also gingen sie wieder "ham" - und bekamen fortan regelmäßig Besuch von Maria (49) und Kati (26). Die beiden Slowakinnen wechseln sich heute im Zwei-Wochen-Rhythmus bei der Betreuung von Herrn B.'s Gattin ab, Herr B. selbst erlebte diese Heimpflege nur mehr kurz. Er starb wenige Monate nach der Rückkehr aus dem Pflegeheim im Kreis seiner Familie.

Für Frau B. bedeutet die Anwesenheit von Kati und Maria eine echte Verbesserung der Lebensqualität. "Sie putzen, bügeln und waschen, sie gehen in die Apotheke oder erledigen die Gartenarbeit", erzählt Frau R. Ausgebildet sind sie freilich nicht. Aber was zählt, ist etwas anderes: "Die mögen meine Mama so gerne. Sie umarmen sie, geben ihr ein Busserl. Die sagen auch Omi zu ihr." Das gibt Frau R. die Gelegenheit, auch einmal wegzufahren. Und zwar unbesorgt, "auch wenn ich im Prinzip nur ihre Vornamen kenne".

Vermittelt wurden Kati und Maria von einer Agentur im Ort. Das kostet zwar 500 Euro, beinhaltet aber auch den problemlosen Ersatz einer Pflegerin, wenn die nicht in die Familie passt. Die laufenden Kosten betragen 560 Euro für zwei Wochen plus 100 Euro Fahrtspesen. Macht 1320 Euro, die Frau R. für die Pflege ihrer Mutter im Monat bezahlt. Hinzu kommt noch das Essen. "Für mich ist das ein ideales Arrangement", bilanziert Frau R., die Flexibilität der beiden Slowakinnen erleichtert ihr und ihrer Mutter das Leben. Die von der Agentur ausgegebene Direktive, wonach sie im Fall einer Kontrolle angeben solle, Kati und Maria wären "gute Bekannte, die uns helfen", kann sie heute sogar reinen Gewissens unterschreiben. "Das sind sie ja wirklich", nämlich mehr als nur bezahlte Betreuung.

Zu Hause betreut

Schätzungen zufolge gibt es rund 40.000 illegale Pflegekräfte in Österreich. Ende Juni läuft die Amnestie für sie aus, bis dahin will eine neue, leistbare Regelung auf gesetzlicher Basis gefunden werden.

Laut einer Studie des Instituts für Sozialpolitik erhalten derzeit rund 370.000 Personen Pflegegeld. Tatsächlich pflegebedürftig dürften aber rund 550.000 Personen sein - mit einem Betreuungsaufwand von über 50 Stunden pro Monat.

Nur 20 Prozent der Pflegebedürftigen werden in Heimen betreut. Der Großteil wird familiär gepflegt, mit einem Kostenaufwand von zwei bis drei Milliarden Euro. Insgesamt gibt Österreich fast 1,9 Milliarden Euro für Pflegegeld aus. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2007)