Helmut Elsner, Ex-Bawag-Chef und neben Ex-ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch wahrscheinlich der berühmteste Penthouse-Bewohner Österreichs, sitzt nun also. Und zwar in der Justizanstalt Josefstadt, bekannter unter ihrem Wiener Beinamen „Landl“ oder „Graues Haus“.

Auf den Tag genau fünf Monate lang hat sich der mit einer goldenen Pensionsabfertigung versehene Ex-Bawag-Chef den hinhaltenden Bestrebungen der österreichischen Justiz widersetzt, die versuchte, seiner per europäischem Haftbefehl habhaft zu werden, um ihn hier allenfalls vor Gericht stellen zu können. Monatelang hielt der Banker der französischen Justiz seine in Attesten festgeschriebenen gesundheitlichen Probleme (Elsner hat es am Herzen) vor Augen, monatelang wollten die Franzosen das von ihnen zu tragende Risiko, Elsner auszuliefern und dabei womöglich seiner Gesundheit zu schaden, nicht eingehen. Was man auch irgendwie verstehen kann – was aber in Österreich, wo die Bawag fast pleite gegangen wäre, auf wenig Verständnis stieß.

Die Causa Bawag, deren Protagonisten sich jahrelang wie Feudal- und Kolonialherren benommen hatten, sodass man besten Gewissens behaupten kann, die Bawag-Chefs hätten sich über Jahrzehnte einen ÖGB (das war der Eigentümer der Bank) gehalten, brauchte einen Hauptdarsteller. Und zwar vor dem Richter und nicht am Golfplatz in Südfrankreich.

Für Helmut Elsner gilt, wie für alle anderen, gegen die in den nächsten Monaten wohl Anklage erhoben wird, natürlich die Unschuldsvermutung. Seine Unschuld zu beweisen, das hat der herrschsüchtige alte Herr zuletzt immer wieder ausrichten lassen, läge ihm sehr am Herzen – nun wird er das endlich tun können. Dass es „politischen Einfluss“ brauchte, ihn nach Wien zurück zu zwingen, wie Staatsanwalt und Justizministerin bestätigen, das passt ganz gut zur Causa Bawag. In diesem Fall war noch nie etwas nicht politisch. Und normal schon gar nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2007)