Banja Luka/Podgorica/Belgrad - Der Kronzeuge im Prozess des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal zum Massaker in der ostbosnischen Stadt Srebrenica hat einem Angeklagten vorgeworfen, ihm nach dem Leben zu trachten. Der ehemalige Innenminister der Republika Srpska, Tomislav Kovac, sagte, dass auf ihn seit dem Vorjahr bereits zwei Mal Mordanschläge vorbereitet worden seien. Auftraggeber soll der angeklagte einstige Generalstabchef der bosnischen Serben, Vinko Pandurevic, gewesen sein. Srebrenica wurde im Juli 1995 von serbischen Truppen erobert, die danach mehrere tausend Bosniaken umgebracht haben sollen.

Wie die Tageszeitung "Nezavisne novine" am Mittwoch berichtete, erstattete Kovac bei einem Gericht in der ostbosnischen Stadt Bijeljina Strafanzeigen gegen fünf Personen, darunter den früheren Generaldirektor der bosnisch-serbischen Polizei, Dragan Andan. Die Strafanzeige bezieht sich auch auf Pandurevic, der sich schon seit zwei Jahren im Tribunalsgefängnis befindet, ferner zwei flüchtige Angehörige einer Mafia-Gruppe im Belgrader Stadtviertel Zemun - Sretko Kalinic und Milos Simovic - sowie einen einstigen bosnisch-serbischen Polizisten.

Unter Berufung auf Kovac berichteten Medien, dass ein erster Anschlag auf den bosnisch-serbischen Innenminister während des Bosnien-Krieges (1992-1995) im Juni 2006 in Belgrad geplant gewesen sei. Damals wurde in der serbischen Hauptstadt ein Kronzeuge im Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic ermordet. Der zweite Anschlag sei für 22. Jänner in Podgorica vorbereitet und von der Polizei vereitelt worden, berichtete die montenegrinische Tageszeitung "Nezavisne novine". Laut dem Blatt sind Kalinic und Simovic, nach denen in Serbien in der Causa Djindjic gefahndet wird, dank ihrer französischen Pässe über den Belgrader Flughafen nach Paris entkommen.

Andan, der im Vorjahr unter Druck der Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla del Ponte, wegen seiner persönlichen Kontakte zu Haager Angeklagten zurücktreten musste, wollte die Vorwürfe von Kovac nicht kommentieren. (APA)