Wien - Es war in der Hochphase der Ära Wolfgang Schüssel der Entscheidungsort Nummer eins: die so genannte Montagsrunde, in der die parteiintern "Küchenkabinett" gerufene Parteispitze zusammentrat. Ihre Mitglieder waren Parteichefstellvertreter Elisabeth Gehrer und Wilhelm Molterer, Generalsekretär Reinhold Lopatka und Nationalratspräsident Andreas Khol.

Schüssel ist als Parteichef de facto Geschichte, ebenso wie die meisten Mitglieder seines Küchenkabinetts. Auch die Entscheidungsstrukturen in der ÖVP haben sich mit seinem Abtreten verändert.

Unter Schüssel war alle Macht im Bundeskanzleramt konzentriert, die Partei fungierte als vorgelagerte Presse- und PR-Abteilung. Molterer führt die Geschicke der schwarzen Bewegung weniger vom Vizekanzleramt am Minoritenplatz denn von der Parteizentrale in der Lichtenfelsgasse aus, in der er auch schon das Büro des Vorsitzenden im dritten Stock bezogen hat. Und statt der Montagsrunde gibt es jetzt ein Frühstück am Freitag, in dem die strategischen Entscheidungen für die kommende Woche gefällt werden.

Die Runde ist noch kleiner geworden - und blieb genauso männlich dominiert: Neben Molterer, Klubobmann Schüssel und dem neuen VP-Generalsekretär Hannes Missethon bringt nur die Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis die "weibliche Sicht" ein.

Molterer selbst, heißt es parteiintern, hat derzeit noch ein Problem damit, Aufgaben zu delegieren. Jahrelang gewohnt, der zweite Mann und damit auch der "Ausputzer" hinter Schüssel zu sein, tendiert er dazu, die Dinge am liebsten selbst zu erledigen - und seien sie noch so nebensächlich. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2007)