Wie im österreichischen, so ist auch im Trainer- und Betreuerteam von Aksel Lund Svindal nach dem WM-Riesentorlauf ein Köpferollen auszuschließen. Dass der eine oder andere Kopf am Donnerstag schmerzen wird, das ist allerdings nicht auszuschließen. Schließlich war der norwegische Weltcup-Führende und Abfahrtsweltmeister nach dem neuerlichen Triumph schon am Mittwoch als der größte männliche Star dieser Titelkämpfe zu feiern.

Dabei war Svindal, am Stefanitag des Jahres 1982 geboren, bis dato nicht der berühmteste Sohn der an Oslo grenzenden Gemeinde Lørenskog. Auch Eisschnellläufer Johann Olaf Koss (vierfacher Olympiasieger, Ex-Gatte von Belinda Stronach), Langläufer Thomas Alsgaard (fünffacher Olympiasieger, sechsfacher Weltmeister) und Fußballer John Carew kommen aus dem "morastigen Wald", wie die Stadt, in der noch rund 30.000 unauffällige Menschen wohnen, übersetzt heißt. Aber Svindal rückt vor, zumindest Carew, derzeit für Aston Villa in England stürmend, scheint nach der insgesamt dritten WM-Medaille des 1,90 Meter hohen und 100 Kilogramm schweren Alpinen gefährdet.

Da muss ein Nest sein, sagt man ja, wenn Gleichgeartetes plötzlich irgendwo gehäuft auftritt. Das gilt für Lørenskog wie auch für den norwegischen Skisport, Abteilung Herren. Denn Svindal ist der ideale Nachfolger der abgetretenen Allrounder Kjetil-Andre Aamodt und Lasse Kjus, die gemeinsam und quer durch den Disziplinengarten 31 WM- und Olympiamedaillen gesammelt haben. "Ich bewundere sie, seit ich ein Kind war. Mit ihnen in einem Team zu fahren, war fast irreal. Ich habe viel von ihnen gelernt", sagt Svindal heute, da er als Junggeselle in Kjeller in der Gemeinde Skedsmo (auch bei Oslo) lebt. Vielleicht deshalb, weil dort sicher nur einer in höherem Ruf steht als er, nämlich der schon verstorbene Ökonom und Nobelpreisträger Trygve Magnus Haavelmo.

Svindal, der neben schnellen Autos und Musik Motocross und alle Arten von Wassersport seine Hobbys, sich selbst aber eigentlich, was Bewegung betrifft, patschert nennt, hat sein einschlägiges Talent von der Mutter, einer ehemaligen Skirennläuferin, die an Krebs starb, als Aksel erst acht Jahre alt war. Der Vater schaute darauf, dass dieses Talent nicht verkam und chauffierte den rasant wachsenden Sohn regelmäßig in ein nahes Skigebiet.

Mit neun Jahren bestritt Aksel seine ersten Rennen, mit elf begann er so richtig ernsthaft zu trainieren, ohne die Schule zu vernachlässigen. Er könnte auf die Universität gehen, wäre derzeit nicht das Skifahren sein Beruf. Und bei der Zählebigkeit norwegischer Alpinkarrieren - Kjus und Aamodt traten erst mit jeweils 35 Jahren ab - wird die Uni noch länger auf Svindal warten müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 15. Februar 2007, Sigi Lützow)