St. Pölten - Im Fall einer Elfjährigen aus Niederösterreich, bei der eine Abtreibung durchgeführt wurde, ist nun ein 16-Jähriger als Vater eruiert worden. Dies habe die Auswertung des DNA-Tests an dem ungeborenen Kind ergeben. Wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen werden insgesamt drei Personen angezeigt, die ursprünglich als Kindesvater in Frage gekommen waren, sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, am Donnerstag zur APA.

Neben dem 16-Jährigen, der das Mädchen geschwängert haben dürfte, seien dies ein Bursch im selben Alter sowie ein 28-Jähriger. Das Kind hatte bei der Polizei angegeben, dass jene drei Personen für die Schwangerschaft in Betracht gekommen wären. Die Abtreibung wurde in einer Klinik in Wien durchgeführt.

Das Kind dürfte bereits mehrfach sexuelle Kontakte zu Männern gehabt haben. "Der Fall ist relativiert zu sehen", hatte Polzer im APA-Gespräch am Mittwoch erklärt. Das Mädchen dürfte demnach nicht vergewaltigt worden sein. "Sie spricht wie 20, schaut aus wie 16, ist aber erst elf Jahre alt", so Polzer, der damit die Aussagen eines ermittelnden Kriminalbeamten wiedergab. Ob das Kind freiwillig beim Sex mitgemacht habe, ließ sich seitens der Polizei aber nicht bestätigen.

"Völlig normale Familie"

Es handle sich um eine "völlig normale Familie", erklärte Reinfried Gänger, Leiter der Abteilung Jugendwohlfahrt im Land NÖ gegenüber der APA. Es habe bei der Elfjährigen und ihrer Mutter vor dem Vorfall keine "außergewöhnlichen Ereignisse gegeben." Der sexuelle Kontakt zu den Männern könnte auf Neugierde zurückzuführen gewesen sein.

Ein Mädchen in diesem Alter verfüge noch nicht über die geistige Reife, um abzuschätzen, was tatsächlich vor sich gehe, sagte Gänger. Womöglich könnte dieser Umstand von den Männern ausgenutzt worden sein. Beeinträchtigt worden sein dürfte die Elfjährige auch vom alltäglichen Leben. Das Fernsehen spiele dabei eine wesentlich Rolle.

Für das Mädchen wurden nun seitens der Jugendwohlfahrt mehrere Maßnahmen eingeleitet. Zum einen erhalte sie psychosoziale Prozessbegleitung, in einer Einzeltherapie finden regelmäßig Gespräche statt. Auch mit der Mutter wurde Kontakt aufgenommen. Diese habe sich sehr kooperativ gezeigt, daher sei es nicht erforderlich, das Mädchen in einem Heim unterzubringen. Ursprünglich war dies aber überlegt worden. Es werde nun erörtert, welche Intensität der Beratung für Mutter und Tochter notwendig ist. Die Arbeit der Jugendwohlfahrt mit den beiden werde Monate, vielleicht sogar Jahre dauern.

Gänger gab sich für die Familie - der Vater der Elfjährigen war bei einem Unfall ums Leben gekommen - zuversichtlich: "Es sind die Voraussetzungen gegeben, dass der Fall nicht auf die schiefe Bahn läuft, sondern negative Anfänge ins Positive gedreht werden können." (APA)