Berlin - Der mysteriöse Tod eines hochrangigen BND-Beamten (Bundesnachrichtendienst) beschäftigt die Münchner Staatsanwaltschaft. Wie die "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe) berichtet, war der 57-jährige Unterabteilungsleiter wenige Tage vor Weihnachten in einer Münchner Klinik plötzlich verstorben, nachdem er sich von einer rätselhaften Erkrankung erholt zu haben schien.

Die Staatsanwaltschaft München I führt dem Bericht zufolge jetzt Ermittlungen zur Todesursache des Mannes durch. "Wir gehen dem Verdacht eines möglichen ärztlichen Kunstfehlers nach", sagte Oberstaatsanwalt Winkler der "Berliner Zeitung". Zu diesem Zweck würden die bei der ersten Obduktion entnommenen Gewebeproben derzeit noch einmal untersucht. Der Beamte galt als wichtiger Zeuge für den Untersuchungsausschuss im Bundestag zu den Geheimdienstaktivitäten im Anti-Terror-Kampf und im Irak-Krieg.

Keine Hinweise auf Vergiftung

Winkler sagte, dass die Proben auch auf mögliche Giftspuren, darunter unter anderem auf nukleare Stoffe wie Polonium, untersucht werden. Grund dafür seien "Behauptungen, wonach Verwandte gesagt haben sollen, der Verstorbene habe ihnen gegenüber von einer Vergiftung gesprochen", sagte Winkler. Er betonte aber, dass es derzeit keine Hinweise auf eine Vergiftung gebe. Mit einem Ergebnis der Untersuchung sei frühestens in der kommenden Woche zu rechnen.

Mit Polonium war im vergangenen Herbst der nach London emigrierte russische Ex-Agent Alexander Litwinenko ermordet worden. Der verstorbene BND-Beamte leitete dem Bericht zufolge zwischen 1998 und 2002 die BND-Sicherheitsabteilung und verantwortete in dieser Funktion die rechtswidrige Bespitzelung von Journalisten durch den Geheimdienst.

Ab 2003 war er im BND für die Zusammenarbeit mit Partnerdiensten zuständig, hauptsächlich mit den US-Geheimdiensten. Unklar ist bislang, was er über die Kooperation des BND mit den USA im Irak-Feldzug 2003 wusste und welche Rolle er dabei spielte. (APA)