New York - Die Rechte von Behinderten werden laut einer UN-Umfrage unter 191 Staaten nur unzureichend gewahrt. Von den 114 Staaten, die auf die Umfrage reagierten, setzte keiner alle von den Vereinten Nationen empfohlenen Maßnahmen zur Gleichberechtigung Behinderter um, wie die Organisatoren der Studie am Freitag in New York erklärten. Der Fragebogen basierte auf 22 Regeln mit insgesamt 402 Einzelempfehlungen, die 1993 verabschiedet wurden.

Wie weit die Maßnahmen umgesetzt wurden, unterscheide sich von Staat zu Staat stark, erklärte Sabri Rbeihat vom Süd-Nord-Zentrum für Dialog und Entwicklung mit Sitz in Jordanien, das die Umfrage gemeinsam mit dem UN-Sonderermittler für Behinderungen organisierte. Mehr als 30 Staaten hätten keinerlei Maßnahmen ergriffen, um behinderte Kinder ins allgemeine Schulsystem zu integrieren. Dies sei ein schwerer Verstoß gegen die Menschenrechte, sagte Rbeihat.

Fragebögen

Die Fragebögen wurden 2004 und 2005 an die jeweiligen Regierungen und an je zwei Behindertenorganisationen in 191 Staaten versandt. 77 Staaten hätten darauf gar nicht reagiert. Nur bei 15 Staaten hätten sowohl die Regierung als auch die Organisationen geantwortet. Die Ergebnisse würden nicht nach Ländern aufgeschlüsselt veröffentlicht, sagte Rbeihat.

Ziel sei nicht, bestimmten Staaten Schuld zuzuweisen oder Lob auszusprechen. In einigen Ländern sei Gleichberechtigung für Behinderte noch im Anfangsstadium. Doch könne bereits das Versenden des Fragebogens das Bewusstsein für die Belange von Behinderten schärfen, sagte Rbeihat.

Nach UN-Angaben leben weltweit rund 650 Millionen Menschen mit Behinderungen, zehn Prozent der Weltbevölkerung. (APA/AP)