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Peter Schröcksnadel hätte sich mehr Patriotismus erwartet: "Haben uns noch nie leicht getan im hohen Norden."

Foto:APA/Parigger
Der Präsident ist bedrückt, er wirkt beleidigt. Er tat dies im Holiday Club am Åresjön vor den versammelten österreichischen Journalisten kund, und das ist keine kleine Mannschaft. Schon mimte Peter Schröcksnadel, das Oberhaupt des Österreichischen Skiverbandes, den Souverän, indem er quasi in präsidialer Manier sagte, dass es nicht sein Job sei, Einzelrennen zu kommentieren, dass er sich nicht ins Tagesgeschäft einmische. Seine Bedrückung rührt auch nur indirekt aus den Debakeln des Herrenteams in Abfahrt und Riesenslalom her. "Dass die Reaktion in der Öffentlichkeit derart negativ war, damit habe ich nicht gerechnet. Das ist nicht schön. Das macht mir Unmut. Das ist Sport und kein Krieg. Es ist doch ein Spiel."

Das war der dritte Punkt in Schröcksnadels Vortrag, welcher mit Punkt eins begann: "Die WM ist wie ein Fußballspiel, wo das Siegestor in der letzten Minute fallen kann. Wir haben uns noch nie leicht getan im Norden. 1994 bei den Olympischen Spielen ist dem Patrick Ortlieb während der Abfahrt der Schuh gebrochen. Der Hannes Trinkl hat einmal tief Luft geholt, und die Brille ist angelaufen, dass er nichts mehr herausgesehen hat. Und am Schluss gewann Thomas Stangassinger den Slalom."

Schröcksnadel sprach am Abend jenes Tags, an dem sich Mario Matt die Goldene im Slalom erworben hatte, und seine Hoffnung auf Team-Gold sollte auch noch erfüllt werden. "Ende gut, alles gut. Ich gratuliere Hans Pum, den Trainern, den Athleten."

Die öffentliche Aufregung in der Heimat irritiert ihn. In diesem Zusammenhang erinnert er an die Olympischen Spiele 2006 in Turin, an den medialen Hype daheim in Österreich, den die Razzien in den Quartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten, die Anwesenheit des Ex-Trainers Walter Maier und dessen Flucht verursacht hatten. "Das war das Beste, was den Athleten passieren konnte. Sie haben in Ruhe arbeiten können, das Team wurde zusammengeschweißt."

Schröcksnadel kam auch nicht umhin, das dem WM-Sieg im Medaillenspiegel zum Trotz vergleichsweise mäßige Abschneiden der Skiherren in der heurigen Saison der 30er-Regel in Abfahrt und Super-G anzulasten. "Aber hier erwischte es nicht uns, sondern auch Cuche, Büchel, Miller und wie sie alle heißen. Seit Hermann Maier vor einem Jahr in Kitzbühel gewonnen hat, hat keiner mehr mit Nummer 30 einen Super-G gewonnen." Das stimmt, aber man könnte auch sagen, dass Maier seit damals nicht gewonnen hat, denn die Nummer 30 trug stets er. "Es ist die Frage, ob es noch Sinn macht, bei dieser Regel in Super-G und Abfahrt zu investieren." Die Regel wird sicher bei der nächsten FIS-Konferenz diskutiert.

Fehler und Meer

"Natürlich läuft nicht alles super", führte Schröcksnadel weiter aus. "Es sind auch Fehler passiert. Aber es ist sicher nicht so, dass ein Trainer rausfliegt, wenn es in einem Rennen nicht klappt."

Zur medialen Kritik: "Ich habe kein Problem damit, aber nicht alle Leute können damit umgehen. Ich lese auch keine Zeitungen. Sie werden mir vorgelegt. Sie haben jeden Tag so viel Platz, und es gab hier so viele Tage ohne Rennen, und der Platz wurde mit negativen Berichten gefüllt." Einwurf: "Ist das allein ein Grund, die WM zu verkürzen?" Antwort: "Ja."

Schröcksnadel spielte vor allem auf Kritiker wie Armin Assinger oder Franz Klammer an und auf die Medien, die diese Kritik auch noch transportieren. "Hermann Maier hat so viel für den Skisport geleistet. Er hat nicht geschadet, sondern geholfen, und hinter ihm hat sich ein Team gebildet. Dass das andere Idole nicht immer freut, ist menschlich. Aber es ist nicht schön. Vielleicht kennen die sich auch nicht mehr so gut aus."

Schröcksnadel forderte dann noch mehr Patriotismus ein, meinte sinngemäß, dass man doch im selben Boot sitze. "Herr Präsident", entgegnete dem der Standard, "wir rudern vielleicht über dasselbe Meer, aber wir sitzen nicht im selben Boot." (Benno Zelsacher aus Åre, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 19. Februar 2007)