Tirana - Rund 2,9 Millionen Albaner waren am Sonntag aufgerufen, die politischen Spitzen in den 384 Städten und Gemeinden zu bestimmen. Die Wahl verlief trotz der Spannungen zwischen den regierenden Konservativen unter Regierungschef Sali Berisha und den oppositionellen Sozialisten mit dem Bürgermeister von Tirana, Edi Rama, an der Spitze ohne Zwischenfälle. Wegen des Streits zwischen diesen beiden politischen Blöcken musste die Abstimmung um einen Monat verschoben werden.

Die Wahlen sind für den ehemals sozialistischen Balkanstaat ein politischer Reifetest. Die Wahllokale öffneten um 07.00 Uhr. Bei vergangenen Wahlen waren die Ergebnisse in dem Land immer wieder angefochten worden, teils kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Mehr als 4500 internationale und albanische Beobachter sollten den Urnengang mit 2,9 Millionen Wahlberechtigten überwachen. Unter den rund 1000 Kandidaten waren nur 33 Frauen. Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr schließen.

Gemeinsame Kandidaten

In ingesamt 384 Lokalverwaltungen sollen neue Bürgermeister und Gemeinderäte gewählt werden. Mitte-Rechts-Regierung und Mitte-Links-Opposition haben jeweils gemeinsame Bürgermeister-Kandidaten aufgestellt.

In der Hauptstadt Tirana steht für die Sozialisten viel auf dem Spiel: Parteichef Edi Rama (42), der sich mit Verschönerungsaktionen und Infrastrukturprojekten Sympathien erworben hat, bewirbt sich für eine dritte Amtszeit als Stadtoberhaupt. Die Demokratische Partei von Premier Sali Berisha schickt den bisherigen Innenminister Sokol Olldashi (34) gegen ihn ins Rennen. Sollte Rama abgewählt werden, droht dem früheren Maler laut Beobachtern das Ende als Oppositionsführer.

Sozialisten-Chef möglicherweise Anschlag entgangen

Rama entging wenige Tage vor der Wahl offenbar knapp einem Attentat: Kurz nachdem er ein Lokal in Tirana verlassen hatte, explodierte dort eine Bombe; es gab lediglich Sachschaden. Laut albanischen Medienberichten detonierten 150 Gramm TNT. Um jemanden zu töten, reichen etwa 200 Gramm aus. Die Lokalwahl musste auf den 18. Februar verschoben werden, da sich Regierung und Opposition trotz internationalen Appellen monatelang nicht auf ein Datum und auf eine Reform des Wahlrechts einigen konnten.

Bei vergangenen Wahlen in Albanien waren die Ergebnisse immer wieder angefochten worden, teils kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Kommunalwahl hat laut der Tageszeitung "Shqip" die Armee den Schutz wichtiger Gebäude übertragen bekommen. Demzufolge überwachen mehr als 4.000 Beobachter den Urnengang, bis zu 600 davon aus dem Ausland. (APA)