Seit mehr als zwei Jahrzehnten gilt in der US-Politik ein Grundsatz: Je öfter Amerikaner in die Kirche gehen, desto weiter rechts stehen sie. Vor allem die Abscheu gegenüber dem Recht auf Abtreibungen und der Homo-Ehe hat die religiösen Wähler den Republikanern zugetrieben - und 2004 den Katholiken John Kerry die Mehrheit der katholischen Stimmen gekostet.

Doch bei den jüngsten Kongresswahlen ist es einigen Demokraten gelungen, religiöse Stimmen für sich zu gewinnen. Widerstand gegen den Irakkrieg und Unbehagen über die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich lässt manche Christen politisch umdenken. Demokratische Präsidentschaftskandidaten spitzen bereits auf die Unterstützung der "religiösen Linken" für 2008.

Sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama unterstreichen ihre Verbundenheit mit Kirche, Glauben und religiösen Werten. Sie setzen darauf, dass sie damit Wählerstimmen in der Mitte gewinnen können, ohne die Unterstützung überzeugter Säkularisten zu verlieren, die Religion in der Politik grundsätzlich ablehnen.

Doch beim Recht auf Abtreibungen ("Pro Choice") bleiben alle Demokraten hart - und dies kann in einem aufgeheizten Wahlkampf erneut den Republikanern zugute kommen. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 19.02.2007)