Bild nicht mehr verfügbar.

Am 13. März organisiert das Jüdische Museum eine Hommage an Jakov Lind mit Peter Turrini, Kirsten Dene und Andrea Eckert.

Foto: APA

Am 16. Februar ist der österreichische Schriftsteller Jakov Lind in einem Londoner Krankenhaus gestorben, kurz nach seinem 80. Geburtstag.

1938 wurde er mit einem "Kindertransport" aus Österreich nach Holland deportiert. Um sich der Verfolgung zu entziehen, arbeitete er später mit gefälschten Papieren als Mitarbeiter eines hohen SS-Offiziers in Nazi-Deutschland. Nach dem Krieg war er unsteten Aufenthalts. Sein Geburtsland Österreich hat er nur noch sporadisch betreten. Er hat einige Theaterstücke und eine Reihe von Romanen geschrieben. Sein Erzählband Seele aus Holz war ein Bestseller. Die hiesige literarische Öffentlichkeit hat sich für ihn nie nachhaltig interessiert.

Nestroys Urenkel

Für mich war und ist Jakov Lind - vor allem in seinen Theaterstücken - ein Urenkel von Johann Nestroy, ein Jakov Nepomuk Lind, eine genialische und sehr wienerische Mischung von Frechheit, Geschmacklosigkeit und Witzbolderei. Jüdische Menschen wie er, die man hinausgeworfen hat aus diesem Land, die sich in Amsterdam, New York, London, Boston und weiß Gott wo wiedergefunden haben, sind doch nie ganz aus der Wiener Vorstadt, in der sie aufgewachsen sind, entwichen. Wann immer wir miteinander redeten, schien es mir, als würde er in einem Schanigarten sitzen und seine Vertreiber beobachten und kommentieren, begleitet von einem bukolischen Lachen.

Ich habe mir gewünscht, dass er zurückkommt, dass er mit seiner abgründigen und hochfliegenden Theaterfantasie die heutige österreichische Idiotie beschreibt, die Tatsache, dass die Österreicher aus italienischen, tschechischen, ungarischen, jüdischen Mischungen bestehen, wahre Pinscher sind und so gerne und schon wieder reinrassige Schäferhunde sein wollen. Er konnte ihr Jaulen und Gebell so hinreißend imitieren. Er hat auf eine Rückkehr nach Österreich verzichtet, aber Österreich kann nicht auf ihn verzichten.

Am 13. März findet im Jüdischen Museum Wien ein Salut für Jakov Lind statt. Texte von ihm werden gelesen, ein Film über ihn wird gezeigt, und der Theodor-Kramer-Preis wird ihm postum verliehen und ansonsten: Ich appelliere an die Verlage, an die Theater, macht unseren großen österreichischen Dichter Jakov Lind wieder lebendig. Verlegt ihn, spielt ihn. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2007)