London/Basra - In Großbritannien hat es am Sonntag widersprüchliche Berichte über einen Truppenabzug im Irak gegeben: Die Zeitung News of the World berichtete unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsmitarbeiter, London wolle im Mai fast die Hälfte der über 7000 britischen Soldaten aus dem Irak abziehen. Die Lage in der südirakischen Stadt Basra erlaube dies nun; es sei an der Zeit, "die irakischen Truppen weitermachen zu lassen". Großbritannien will demnach rund 3000 Soldaten im Mai aus dem Irak zurückholen.

Das Verteidigungsministerium nannte den Bericht eine Spekulation und verwies darauf, dass jeder Truppenabzug von der Sicherheitslage abhängig und mit Großbritanniens Verbündeten abzusprechen sei. Die Regierung in London hatte angekündigt, dass sie im Laufe des Jahres "tausende" Soldaten aus dem Irak abziehen wolle.

Die Tageszeitung Independent berichtete hingegen unter Berufung auf einen ranghohen Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, Premierminister Tony Blair wolle den geplanten Abzug vielmehr hinauszögern. Ein ursprünglich geplanter Abzug von rund tausend Soldaten im April solle - auf Druck der Vereinigten Staaten - auf August verschoben werden.

Demnach wird erwartet, dass Blair in Kürze bekannt gibt, dass die Übergabe des Basra Palace - der von Saddam Hussein erbaut wurde und in dem jetzt das amerikanische und das britische Konsulat untergebracht sind - und des Flughafens Basra in irakische Kontrolle hinausgezögert wird. In jüngster Zeit hatten sich die Raketenangriffe auf den Palast vermehrt, weshalb das zivile britische Personal reduziert beziehungsweise auf den Flughafen Basra verlegt wurde.

Amerikanischer Druck kommt nach Meldungen des Independent auch in der Frage des Stützpunktes Shaibah im Süden von Basra, dessen Schließung London offensichtlich vorgehabt hatte. Die USA wollen, dass die Briten den Militärstützpunkt weiter offen halten, weil sie die Nordwest-Südost-Route von der kuwaitischen Grenze nach Bagdad gefährdet sehen.

Großbritannien ist der wichtigste Verbündete der USA im Irak und der zweitgrößte Truppen-Entsender im Zweistromland. Die US-Regierung versucht mit einem neuen Sicherheitsplan derzeit, die tägliche Gewalt im Irak, insbesondere in der Hauptstadt Bagdad, einzudämmen. Gleichzeitig gibt es Anzeichen einer Verstärkung der britischen Operationen im Süden. Laut der arabischen Website "Ilaf" hat die britische Armee in Basra zuletzt mindestens 20 Führer der Mahdi-Armee verhaftet und Teile der Stadt abgeriegelt. (AFP, guha, DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2007)