Brüssel - Die EU müsse das Thema Bildung prominenter besetzen und auf politischer Ebene stärker verankern, forderte die neue Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Freitag nach ihrem ersten Auftritt im Kreise ihrer Amtskollegen in Brüssel. Bildung sei die Voraussetzung für die Steigerung von Forschung und Innovation, die sich die EU vorgenommen hat. Langfristig wollen die EU-Bildungsminister vor allem Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung fördern und vorschulische Erziehung stärken.

Lehrerimage aufwerten

Die deutsche Bildungsministerin und amtierende Ratsvorsitzende Annette Schavan betonte, die EU werde bis 2010 ein gutes Stück bei ihren selbstgesteckten Zielen weiterkommen. Bisher hinkt die EU vor allem bei der Verbesserung der Lesekompetenz ihren Zielen weit hinterher. Schavan forderte zudem eine Aufwertung des Images des Lehrerberufes, eine Verstärkung der Bildungsforschung und klare Maßstäbe für die Qualität des Bildungssystems. Die Debatte über die bildungspolitischen Ziele der Zukunft soll beim Treffen der Minister in zwei Wochen in Heidelberg weitergehen.

Einheitliches Geschichtsbuch

In Heidelberg will Schavan auch über die Idee eines gemeinsamen Geschichtsbuchs für alle Schüler in der EU beraten. Auch eine Art europäischer Literaturkanon sei erstrebenswert.

In den nächsten Monaten soll außerdem ein Aktionsplan gegen Gewalt an Schulen erstellt werden. Anstoß für die Initiative gaben Polen und Griechenland, die das Thema auf die Tagesordnung der Bildungsminister gehoben haben. Bildungskommissar Jan Figel sagte, in der Schule müssten stärker Werte wie Toleranz vermittelt werden.

Individuelle Förderung fehlt

Der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz verlangt von Schmied den Einsatz von mehr Förderlehrern an den Schulen. "Leider gibt es auch im neuen Regierungsprogramm keinen Cent mehr für individuelle Förderung. Die neue Regierung setzt die Versäumnisse von Bildungsministerin Gehrer fort", so Brosz in einer Aussendung. (APA)