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Am Salzburger Rudolfskai regiert die Gewalt - meist sind schwer betrunkene Jugendliche die Täter.

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Salzburg - Zwei Überfälle mit zwei Schwerverletzten, gebrochene Kiefer, kaputte Nasenbeine. Das ist die Bilanz des vergangenen Wochenendes am Salzburger Rudolfskai. Und das war bei weitem nicht das härteste Gewaltwochenende unmittelbar im Zentrum der Landeshauptstadt am linken Staatsbrückenkopf. Im Zuge der Dauerrandale ist es in Vergangenheit schon zu Attacken gegen unbeteiligte Passanten, Rotkreuzsanitäter oder Polizisten gekommen.

Die Gewaltexzesse an der Lokalmeile sind legendär. Meist sind schwer betrunkene Jugendliche die Täter, fallweise kommt es aber auch zu Auseinandersetzungen unter Jugendbanden. Die von der Stadt betriebene Installierung von Überwachungskameras hat kaum zu einer echten Beruhigung geführt. Für viele Salzburger ist der Rudolfskai nächtens längst zur "No-go-Area" geworden.

"Koma-Trinken" weit verbreitet

Ausgangspunkte der nächtlichen Sauf- und Gewaltorgien sind nicht zuletzt Lokale, in denen harte Getränke zu vergleichsweise moderaten Preisen ausgeschenkt werden. Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat in diesem Zusammenhang am Wochenende Initiativen gegen das - in ganz Österreich - weit verbreitete "Koma-Trinken" junger Menschen angekündigt. Unter anderem will Kdolsky "Mystery-Shopper", die unerkannt einkaufen und Lokale besuchen, zur Überwachung des Jugendschutzgesetzes einsetzen.

Das freilich ist nicht neu: SP-Landtagsklubobmann David Brenner beispielsweise hat in Salzburg wiederholt mit Jugendlichen verdeckte Alkohol-Einkaufstouren organisiert. Das Ergebnis waren Anzeigen gegen etliche Supermärkte. Der Alkoholmissbrauch auf Salzburgs "Funmeile" Rudolfskai blieb davon weit gehend unberührt.

"Jugendpolizei" wieder einführen

Eine völlig andere Strategie gegen jugendliche Gewalttäter und zur Bewältigung der steigenden Jugendkriminalität - in Salzburg werden immerhin rund 40 Prozent aller Raubüberfälle von Minderjährigen begangen - verfolgt Sicherheitsdirektor Anton Stenitzer. Er fordert die Wiedereinführung der "Jugendpolizei" als eigenständige Einheit der Exekutive. Diese "Jugendpolizei" war eine fünfköpfige, auf die Arbeit mit Minderjährigen spezialisierte Mannschaft. Mit der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie ist sie der Rationalisierung zum Opfer gefallen.

Wesentlicher Vorteil der Gruppe seien die guten Kontakte in die Szene gewesen, heißt es polizeiintern. Zudem hätten die Beamten auch genügend psychologisches Gespür gehabt, um Straftaten schon im Vorfeld abzufangen; etwa indem sie Rädelsführer aus einer Clique herausgelöst und rechtzeitig ins Gebet genommen hätten. (Thomas Neuhold/DER STANDARD-Printausgabe, 20.02.2007)