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Foto: .REUTERS/ Daniel Joubert
Paris - Im Rennen um die französische Präsidentschaft ist der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal eine spektakuläre demoskopische Aufholjagd gelungen. Nachdem sie vor einer Woche bis zu zehn Punkte hinter dem Chef der konservativen Regierungspartei UMP, Innenminister Nicolas Sarkozy, zurückgelegen war, prognostiziert die neueste Umfrage, deren Ergebnis am Mittwoch in Paris veröffentlicht wurde, der Präsidentin der Westregion Poitou-Charentes und ehemaligen Familien- und Umweltministerin einen knappen Vorsprung vor dem UMP-Kandidaten im ersten Wahlgang. Royal könnte demnach am 22. April mit 29 Prozent der Stimmen rechnen, Sarkozy mit 28 Prozent, fünf Punkte weniger als in der Vorwoche.

In der Stichwahl am 5. Mai hätte der Kandidat des bürgerlichen Lagers knapp die Nase vorn; die Umfrage ergibt für Sarkozy 51 Prozent, für Royal 49 Prozent. In der Vorwoche betrug Sarkozys Vorsprung noch zehn Prozentpunkte. Die jüngste Umfrage des Instituts CSA, die die Zeitung "Le Parisien" veröffentlichte, wurde am Dienstag durchgeführt. Am Vorabend hatte Royal in einer Fernsehsendung vor 8,9 Millionen Zuschauern ihr Wahlprogramm vorgestellt.

Die Relativität der Aussagekraft

Sarkozy war am Mittwoch bemüht, die Aussagekraft der Umfrage zu relativieren. "In 24 Erhebungen lag ich vorn", sagte er im Radiosender RTL. "Bis gestern hat das Team von Royal den Zahlen keine Bedeutung beigemessen, offenbar hat man dort nun die Meinung geändert."

Die französische Presse bewertete Royals TV-Auftritt weitgehend positiv. Die linksgerichtete Pariser Tageszeitung "Libération" kommentierte mit der Überschrift: "Royal holt im mündlichen Examen auf". Erhebungen zufolge schauten 8,9 Millionen Menschen die zweistündige Übertragung der Debatte, die als einer der wichtigsten Fernsehtermine Royals im Wahlkampf galt.

Probleme reißen nicht ab

Dennoch reißen Probleme der französischen Sozialisten (PS) bei ihrer Präsidentschafts-Wahlkampagne nicht ab: Der angesehene Haushaltsexperte Eric Besson kündigte am Mittwoch seinen Parteiaustritt an und begründete seinen Schritt mit dem Kurs Royals und mit gegen ihn gerichteten Attacken aus dem engsten Umfeld der Präsidentschaftskandidatin. Im Streit um die Finanzierung von Royals Wahlprogramm hatte Besson vergangene Woche seine Parteifunktionen niedergelegt.

Besson verwies auf eine "Auseinandersetzung" mit PS-Chef Francois Hollande, der auch Royals langjähriger Lebensgefährte und Vater ihrer vier Kinder ist. Die Programme "aller Parteien und aller Kandidaten sind zu teuer, und ihre wirklichen Kosten werden unterschätzt", erklärte Besson. Bei den Parlamentswahlen im Juni will er sich nicht mehr um einen Sitz in der Nationalversammlung bewerben.

Royal hatte einen Umbau ihres Wahlkampfteams angekündigt. Eine klarere Hierarchie und mehr Disziplin seien notwendig. Parteifunktionäre hatten Royal vergangene Woche hinter vorgehaltener Hand Amateurhaftigkeit vorgeworfen. (APA)