Prinzipiell werden halbe Weltreisen zuweilen ja auch unternommen, um die Lebensweise der Menschen in den Gastgeberländern kennenzulernen. Da ist es dann nur ein kleiner Nebenaspekt, dass zum Beispiel in Japan durchaus häufig an längst verwichene Italien-Urlaube gemahnende Toilettenanlagen anzutreffen sind, die den Einsatz der berühmten (und in Sapporo natürlich umso lieber praktizierten) Schranzhocke erfordern. Der Sauberkeit muss das bei einigem Geschick keinen Abbruch tun.

Und Sauberkeit, das sieht der Fremde in Japan auf Schritt und Tritt, ist das halbe Leben. So gesehen haben einige der Stadtverwaltung von Sapporo dienende Herren derzeit WM-bedingt mehr Stress als sonst. Drakonische Strafen für der hiesigen Vorschriften Unkundige, die in bestimmten Zonen der Stadt den Bürgersteig verschmutzen, sind zwar nicht vorgesehen, aber umgerechnet etwa sieben Euro kann ein gedankenlos weggeworfener Zigarettenstummel dann schon kosten.

Da die WM erst im Anheben begriffen ist, geht für den Gast noch Gnade vor Recht, wenn er von den gewöhnlich dreiköpfigen Patrouillen mit einem Glimmstängel angetroffen wird. Die uniformierten Herren tragen stolz ein Banner vor sich her, dessen Aufschrift man halt lesen können müsste. Japanisch-Kenntnisse, die sich im Zitieren aus dem einst so beliebten TV-Mehrteiler "Shogun" mit dem formidablen Richard Chamberlain erschöpfen, sind natürlich keine Hilfe. Was bleibt, ist ein frisches "Hai!" (ohne Toranaga-sama!), wenn einem unter Verbeugungen ein Aschenbecher präsentiert wird. Erschrockenes Wegwerfen der Zigarette wäre dagegen eine ganz schlechte Reaktion.

Ohne Strafe, dafür mit einer schönen, in Japanisch gehaltenen Broschüre kann man dann seines Weges gehen, der nun plötzlich alle paar Meter durch kanaldeckelgroße Einlassungen geschmückt wird. Rote Kreise mit rot durchgestrichenen Zigaretten sind zu sehen, auch wenn man des Japanischen nicht mächtig ist. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. Februar 2007)