Die AAA-Bohne ist geboren

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Zwei As waren Nespresso nicht genug, also kapselte man sich kurzerhand von der internationalen Klassifizierung für große Bohnen (AA-Kaffee) ab und fügte ein drittes A hinzu. Die AAA-Bohne war geboren, vorwiegend von edler Arabica-Abstammung und mit ihr die dreidimensionale Kapsel. Diese neue, dritte Dimension besteht darin, die hohe Qualität des Rohstoffs zum Grundsatz der Nachhaltigkeitspolitik in den Anbaugebieten zu machen. Man hätte auch die "Fair Trade"-Klassifizierung übernehmen können, wenn die sozialen Mindeststandards nicht über den qualitativen stünden, wie Christiane Glatfeld von Nespresso Österreich betont.

Für die rund 15.000 Kaffeebauern in Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Mexiko und Costa Rica, die am "AAA Su- stainable Quality Program" seit drei Jahren teilnehmen, soll die Qualität der Bohnen Handlungsgrundlage für nachhaltigen Anbau sein. Sie mit dem eigenen Produkt vertraut zu machen, sei dabei nur eine Aufgabe von Nespresso, denn die Bauern selbst würden praktisch nur Löskaffee (nicht einmal Nescafé) trinken.

Rainforest Alliance

Dass man ein drei Jahre altes Nachhaltigkeitsprogramm, das jenem von "Fair Trade" in manchen Belangen ähnelt, kaum kennt, hängt wohl auch damit zusammen, dass es vom Mutterkonzern Nestlé selbst entwickelt wurde. Allerdings nicht unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit, sondern in Kooperation bzw. unter der Aufsicht der "Rainforest Alliance". Diese NGO mit Sitz in New York kommt den Ansprüchen von Nespresso eher entgegen. Wie bereits der Name vermuten lässt, interessiert sich die "Alliance" eher für den Schutz des Regenwaldes und multikultivierte Plantagen als für bezahlte Mindestpreise. Dass die Bohnen nicht in monokulturellem Umfeld angepflanzt werden, weil sie dann von minderer Qualität wären, kommt der Premium-Politik von Nespresso wiederum entgegen. Während "Fair Trade" fixe Mindestpreise zahlt, die immer über dem Marktpreis für grüne Kaffeebohnen liegen, garantiert Nespresso, dass die Bauern nicht weniger als 75 Prozent des (Welthandels-)Exportpreises für ihren Kaffee bekommen. Wobei "Fair Trade" eine zweiprozentige Gebühr für die Lizenzierung einbehält. Das "Alliance"-Logo gibt es im Gegenzug umsonst, und Nespresso verpflichtet die Bauern auch nicht, die Ernte exklusiv an Nestlé zu verkaufen.

Der entscheidende Punkt für Nespresso ist jedenfalls die Kontrolle im Anbaugebiet, weil man von "jeder Bohne die Farm, den Farmer, die Bodenverhältnisse und die Arbeitsverfahren" kennen möchte. Und man will auch eine kleine Auswahl zukünftiger Meinungsbildner kennen lernen, die nach Costa Rica eingeladen werden. Der Sommer-Campus soll zwanzig Studenten ermöglichen, selbst einzuschätzen, welche Vorteile mit der nachhaltigen Produktion von Premiumkaffee verbunden sind. Ob und warum es sich lohnt, den Anteil an AAA-Bohnen von bislang 30 Prozent bis 2010 auf 50 Prozent der gesamten Einkaufsmenge zu steigern.

Sammelbox für die Aluminiumkapseln

Wenngleich die Farben der Kapseln unfreiwillig einen Nachhaltigkeitsindikator bieten - 100-prozentiger AAA-Kaffee findet sich bislang nur unter dem goldenen Kapperl - sieht sich Nespresso mit nachhaltiger Kritik konfrontiert. Aluminium sei generell eine verschwenderische Wahl zur Beherbergung von "ethischem Kaffee". Diese Kritik kommt nicht aus der Schweiz, dort ist die "Nespresso-Urne", eine Sammelbox für rund 200 benutzte Kapseln, bereits ein Begriff. Und das von Nespresso implementierte und großflächige Recyclingsystem hat sich bewährt, zumindest so weit, dass die (auch) von der Faulheit der Konsumenten abhängige Sammelrate mittlerweile bei rund 50 Prozent liegt. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich Nespresso nur deshalb für Aluminium entschieden hat, weil dieses Material die 900 Aromastoffe des Kaffees am zuverlässigsten konserviert, hätte man umweltverträglichere Varianten für den Restmüll finden können, wo die Kapseln ja doch meistens landen. Aus der Recycling-Perspektive ist Aluminium allerdings nicht unvernünftig, nach anfänglich beschämend hohem Energieaufwand zur Herstellung bleibt diese Energie nämlich zum Großteil im Material gespeichert. Das bedeutet, Aluminium verliert über viele Zyklen praktisch überhaupt nicht an Güte und kann mit nur fünf Prozent der Energie, die zur Erstherstellung notwendig waren, recycelt werden.

Zur Club-Kultur und Premium-Philosophie der exklusiven Bohnen würde eine Offensive passen, die dem Konsumenten Aluminium ebenfalls als Produkt von hohem Wert präsentiert. Da Österreich zu den am schnellsten wachsenden Märkten der Kapsel-Trend-Wellenreiter gehört, dürfte man sich eigentlich nicht nur auf das ARA-Sammelsystem verlassen, das der vollen Wiederverwertung der Kapsel nicht hundertprozentig gewachsen ist. Wenigstens in der Grands-Crus-Boutique, alias Kapsel-Verkaufsstelle, könnte man die premiumpreisigen Hütchen nicht nur auf ausdrücklichen Wunsch zurücknehmen, sondern ob der Heimkehr des wertvollen Rohstoffes nachhaltig jubilieren. (Sascha Aumüller/Der Standard/Rondo/23/02/2007)