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In Deutschland sollen rund 3.700 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Foto: APA/EPA/Hirschberger
Paris/Hamburg - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will seine Entscheidung im Streit um das Airbus- Sanierungsprogramm "Power8" und den geplanten Wegfall von Tausenden Arbeitsplätzen bis 9. März bekannt geben. "Der EADS-Aufsichtsrat wird seine Entscheidung um Ende Februar herum treffen", sagte ein EADS-Sprecher am Donnerstag. An diesem Tag legt EADS seine Jahresbilanz für 2006 vor. Gewerkschaftskreisen zufolge will Airbus-Chef Louis Gallois den Streit zwischen Deutschland und Frankreich über den Arbeitsplatzabbau mit einem Kompromiss beenden. An diesem Freitag wollen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac auf Schloss Meseberg nahe Berlin nach einem Kompromiss im Airbus-Streit um die Verteilung der Sanierungslasten suchen.

Chirac sei an einer schnellen Lösung "in einem Geist der Partnerschaft" interessiert, teilte das Präsidialamt am Donnerstag in Paris mit. In der Bundesregierung hieß, bei dem Treffen Chiracs und Merkels seien aber keine Beschlüsse zu erwarten. Gleichzeitig kursierten am Donnerstag weitere Spekulationen um Werksverkäufe in Deutschland. Sie wurden vom Airbus-Mutterkonzern EADS als "Spekulation" zurückgewiesen. Airbus-Chef Gallois will jetzt laut den Gewerkschaftskreisen Deutschland einen größeren Anteil an der Arbeit für die nächste Generation des Modells A320 geben. Dafür solle Deutschland auf seine Forderung nach mehr Arbeit an dem Modell A350 verzichten.

Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm am 20. Februar veröffentlicht werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte hatte EADS die Bekanntgabe verschoben. Ausgangspunkt des Disput mit Berlin waren Äußerungen von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin Anfang dieser Woche, wonach 10.000 Stellen europaweit bei Airbus gestrichen werden sollen. Laut Zeitungsberichten sollen in Deutschland 3.700 Jobs wegfallen, in Frankreich 4.300 und in Spanien und England jeweils 1.000 Mitarbeiter abgebaut werden.

Dem Vernehmen nach ist nicht mehr so sehr der Arbeitsplatzabbau umstritten als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien. Hierauf dürfte sich vor allem auch das Interesse Chiracs und Merkels richten. Bei der Zukunftstechnik geht es - wie im Fall des neuen Langstreckenjet A350 - auch um neue Werkstoffe auf Kohlefaserbasis, hier wollen Berlin und Paris einen Kompromiss anstreben.

Gewerkschaften fürchten um Werke

Die Gewerkschaften befürchten in Deutschland die Gefährdung von Werken speziell Varel und Nordenham in Niedersachsen. Die "Financial Times Deutschland" schrieb am Donnerstag auch die Werke Buxtehude (Niedersachsen) und Laupheim (Baden-Württemberg) mit zusammen 1.500 Beschäftigten stünden auf der Verkaufsliste. Die beiden Werke sollten unter Regie eines Investors zu einem Kompetenzzentrum Kabinenausstattung werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber ebenso wenig wie Massenentlassungen. Airbus habe zugesichert, dass der Stellenabbau sozial abgefedert werde. Für das größte deutsche Airbus-Werk in Hamburg, aber auch für Bremen und Stade wolle Airbus eine Bestandsgarantie geben, heißt es in Zeitungsberichten. Airbus beschäftigt in Summe in Deutschland rund 23.000 Mitarbeiter.

Chirac und Merkel wollen nach ihrem Treffen dem Vernehmen nach eine Erklärung abgeben, um eine weitere Eskalation im Airbus-Streit abzuwenden. "Man wird das Thema prinzipiell ansprechen", hieß es. "Die beiden werden aber sicherlich nicht das Unternehmen neu ordnen". Wie das Präsidialamt in Paris weiter mitteilte, geht es dem Präsidenten auch um eine "gerechte Verteilung der Anstrengungen in der Sorge um Arbeitsplätze". Deutschlands Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) lehnt einen "Schrumpfkurs" bei Airbus ab. Stattdessen sollten die "Wachstumspotenziale" genutzt werden, forderte er am Rande des EU-Arbeitsministerrats in Brüssel. Ein möglicher Stellenabbau müsse "in gerechter Weise geschehen".

"Alle Zahlen über einen angeblichen Stellenabbau und alle Namen von Werken, die angeblich betroffen sind, sind und bleiben Spekulation", sagte ein EADS-Sprecher in München. "Das Board of Directors hat bislang keine Entscheidung getroffen. Wer auch immer neue Spekulationen in die Welt setzt, spielt in unverantwortlicher Weise mit den Ängsten der Mitarbeiter." (APA/dpa/Reuters)