Wien - Am 3. Mai wird die Hauptversammlung der zu UniCredit gehörenden Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) die Abfindung des 5-prozentigen Streubesitzes beschließen. Wenig später geht die größte Bank in Österreich damit von der Börse ab. Um den Abfindungspreis herrscht bereits im Vorfeld ein heftiger Poker. Neben britischen und skandinavischen Fonds fordern auch heimische Kleinatkionärsvertreter hohe Auszahlungssummen. "Die Hauptversammlung des Jahres wird sicher die BA-CA werden", prognostizierte am Donnerstag der österreichische Kleinanlegerschützer Wilhelm Rasinger.

Der britische Hedgefonds Polygon hat sich bereits Anfechtungsklagen vorbehalten, sollte die Abfindung zu billig sein. Rasinger, Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA) in Wien bestätigte heute, mit Polygon im "Interessensgleichklang" zu sein. Einer Klage von Fonds will er sich aber nicht anschließen. "Das kann ich selber auch". Er bevorzugt, sich am Modell Generali zu einigen, statt langjährige Gerichtsverfahren zu führen. "Da muss aber auf beiden Seiten Beweglichkeit drin sein". Rasinger gab zu, dass sich schon etliche Anwälte bei ihm anstellten, die sich für die Überpüfung des von UniCredit erwarteten Barofferts interessieren. "Das wird ein El-Dorado für die Juristen".

Für Polygon wäre wie berichtet alles, was unter 171 Euro je Aktie bleibt, "eher nicht akzeptabel", verlautete letzte Woche aus Polygon-Umfeld.

Rechenbeispiele

Rasinger selbst legt seinen Forderungen nach wie vor den seinerzeitigen Umtauschwert als Richtwert zugrunde, den UniCredit bei der ersten (nicht gelungenen) Streubesitzübernahme im Sommer 2005 angelegt hatte. Damals nämlich bot UniCredit den Tausch von 19,92 eigenen Stammaktien gegen eine BA-CA-Aktie. Eine UniCredit-Aktie kostete heute, Donnerstag, 7,25 Euro. Bei knapp 20 Aktien wären das zu derzeitigen Kursen 145 Euro je BA-CA-Aktie. Laut IVA müsste da aber noch eine Prämie drin sein, womit er für seine Abfindungs-Empfehlungen auf 150 Euro je Aktie kommt. Die BA-CA-Aktie notierte heute Mittag bei 138 Euro.

Inzwischen gibt es aber noch einmal andere Rechenbeispiele. Rasinger bezieht sich auf eine jüngst gefallene Interview-Äußerung des italienischen UniCredit-Konzernchefs Alessandro Profumo, der sich ab 9 Euro je UniCredit-Aktie für einen Verkauf seines Bankimperiums "verhandlungsbereit" gab. Der Bankchef habe also nichts gegen einen Verkauf, wenn der Preis stimmt, interpretieren postwendend Mailänder Analysten die überraschende Aussage.

Warten auf Jahresergebnisse

Multipliziert mit 20 ergäbe Profumos "Bewertung" somit 180 Euro für die BA-CA-Aktie, "da bin ich schon über dem, was man Polygon als Heuschrecke vorwirft", ätzte Rasinger am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Er selber formulierte 180 Euro heute nicht als seine neue Abfindungsforderung, gesteht Profumo eine "unbedachte" Äußerung zu. Er, Rasinger, warte jetzt einmal auf die Jahresergebnisse 2006, und auf die weitere UniCredit-Aktienentwicklung. "Die Bandbreite wird nach oben gehen", schätzt der Aktionärsschützer jedenfalls. Er wäre "nicht überrascht, würde man im Mai dort sein, wo Polygon mit seiner Forderung für die BA-CA- jetzt ist". (APA)