London – Der britische Premierminister Tony Blair hat einen Tag nach der Ankündigung eines Truppenabzugs nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der im Irak eingesetzten Soldaten auch wieder erhöht werden könnte. "Wenn es die Umständen erfordern, zurück zu gehen, werden wir das tun", sagte Blair am Donnerstag dem Sender BBC. Am Vortag hatte Blair im Unterhaus den Abzug von zunächst 1600 der 7100 im Irak stationierten britischen Soldaten in den kommenden Monaten angekündigt.

Die Sicherheitslage im Südirak sei weiterhin "düster", sagte Blair in dem Interview. Dafür seien in erster Linie Extremisten verantwortlich und nicht der Einmarsch der Alliierten. "Ich denke, wir sollten uns nicht für unser Tun im Irak entschuldigen. Wir versuchen, die Demokraten gegen die Terroristen zu unterstützen", so der Premier.

Der ehemalige britische Außenminister Douglas Hurd forderte unterdessen eine offizielle Untersuchung darüber, was bei der Planung der Irak-Invasion im Jahr 2003 und in der Folgezeit falsch gemacht worden sei. Die Londoner Zeitung "Daily Telegraph" berichtete am Donnerstag, dass mindestens 4000 britische Soldaten weitere fünf Jahre im Irak stationiert bleiben sollen. Eine Brigade solle mindestens so lange im Land bleiben, bis die US-Truppen aus dem Irak abziehen, schrieb das Blatt unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen aus Militärkreisen.

Irakische Regierung begrüßt Teilabzug

Die irakische Regierung hat die Entscheidung Großbritanniens zum Teilabzug der britischen Truppen begrüßt. Sie stehe in Einklang mit den Plänen der Regierung, nach denen die irakischen Sicherheitskräfte nach und nach mehr Verantwortung im Süden des Landes übernehmen könnten. Staatspräsident Jalal Talabani begrüßte am Donnerstag den Beschluss und dankte den britischen Truppen für die Hilfe bei der Befreiung des Landes von der Diktatur.

Irakische Regierung will selbst für Sicherheit sorgen

Nach dem angekündigten Teilabzug der britischen Truppen aus dem Südirak will die Regierung in Bagdad selbst für die Sicherheit in dem Landesteil sorgen. In einer ersten Reaktion auf die britischen Pläne erklärte das Büro von Regierungschef Nuri al-Maliki am Donnerstag, der Teilabzug sei in Abstimmung mit seiner Regierung beschlossen worden. Das britische Vorhaben komme den irakischen Plänen entgegen, für die Region um die Metropole Basra die Sicherheitsverantwortung selbst zu übernehmen. Allerdings sei der Irak auch in Zeiten der Not weiterhin auf die Hilfe der britischen Truppen angewiesen.

USA verstärken Truppen

Die USA verstärken ihre Truppen vor allem in Bagdad um rund 21.000 Soldaten, um die Lage in der Hauptstadt in den Griff zu bekommen. Dort griffen die Aufständischen am Mittwochabend zum zweiten Mal in einer Woche einen Chlorgas-Transporter an. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen getötet. Mehr als 55 Menschen mussten mit Atembeschwerden und Augenreizungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Erst einen Tag zuvor war nordwestlich von Bagdad ein Bombenanschlag auf einen Tanklaster mit einer Chlorgassubstanz verübt worden. Bei einem Einsatz der US-Streitkräfte nördlich von Bagdad gegen mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer wurden drei Aufständische getötet und elf gefangen genommen. Zahlreiche Waffen wurden beschlagnahmt.

Angeblich weiterer US-Hubschrauber abgestürzt

Im Irak soll ein weiterer US-Militärhubschrauber abgestürzt sein. Der Nachrichtensender Al-Arabiya berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Augenzeugen, ein Helikopter sei nördlich der Stadt Bakuba abgestürzt. Keines der Besatzungsmitglieder sei verletzt worden. Bakuba gehört zu den Zentren des sunnitischen Aufstandes. Die Stadt liegt 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad.

Sollte der Bericht vom Militärkommando in Bagdad bestätigt werden, wäre dies bereits der achte Hubschrauber, den die US-Armee binnen eines Monats im Irak verliert. US-General William Caldwell hatte zuvor erklärt, ein Helikopter, der am Mittwoch bei Taji im Norden Bagdads abgestürzt war, sei von Kugeln und einer Panzerfaust getroffen worden. US-Medien hatten kürzlich berichtet, die Aufständischen im Irak hätten ihre Taktik geändert und griffen jetzt mit tragbaren Raketen verstärkt Hubschrauber an. (APA/dpa)