Götzis/Wien - Jan Ullrich wird am Montag in einer Pressekonferenz in Hamburg Licht ins Dunkel bringen. Der in die spanische Dopingaffäre verwickelte Tour-de-France-Sieger von 1997 spricht über seine Zukunft. In dieser Zukunft will auch das österreichische Team Volksbank eine Rolle spielen. Teamchef Thomas Kofler führte noch am Samstagnachmittag weitere Gespräche mit Ullrich.

"Noch ist nichts unterschrieben und nichts defintiv", erklärte Kofler gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. "Aber unsere Chancen stehen gut - vielleicht 50:50." Ullrich verhandelte in den vergangenen Monaten unter anderem auch mit den Teams Tinkoff und Acqua & Sapone. "Er hat offenbar eine Entscheidung getroffen. Was er am Montag verkündet, weiß nicht einmal ich", versicherte Kofler. Ein Rücktritt Ullrichs gilt als nicht unwahrscheinlich.

Der Zeitfaktor spielt für Volksbank daher auch eine Rolle. "Ich habe in den vergangenen Tagen mehr gearbeitet als in den 10 Jahren davor", sagte Kofler. Viele Fragen sind noch ungeklärt. Etwa jene nach einer allfälligen Profi-Lizenz für Ullrich. In welcher Form - ob als Fahrer, sportlicher Leiter, Berater oder Werbeträger - sich Ullrich bei Volksbank engagieren könnte, war bis zuletzt ebenso unklar. Der Deutsche trainierte zuletzt in normalem Umfang.

"Ich kann mir im besten Fall vorstellen, dass er eine beratende Funktion einnimmt", meinte Rudolf Massak, der Generalsekretär des Österreichischen Radsport-Verbandes (ÖRV). Dafür sei nämlich keine Lizenz notwendig. Beim ÖRV hat Ullrich noch nicht offiziell um eine solche angesucht. "Dafür bräuchte er einen Wohnsitz in Österreich", erklärte Massak. "Eine Lizenzverweigerung müssten wir dann begründen. Für mich gilt aber die Unschuldsvermutung, bis ein ordnungsgemäßes Verfahren eröffnet ist."

Der Schweizer Verband ermittelt zwar gegen Ullrich, Verfehlungen sind dem Deutschen aber noch nicht nachgewiesen worden. "Er wurde nie des Dopings überführt", betonte Volksbank-Teamchef Kofler. Ullrich sei zudem der einzige in die Affäre um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelte Fahrer, der noch nicht wieder fährt. Mangels stichhaltiger Beweise wurde etwa das Verfahren gegen den italienischen Giro-Sieger Ivan Basso eingestellt.

Ullrich jedoch hat sich im Netz der Behörden verwickelt. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt wegen Betrugs und bekommt von der spanischen Justiz auch eine dem Deutschen zugerechnete Blutprobe aus dem Fuentes-Labor zum DNA-Abgleich überstellt. Einen Einspruch dagegen durch Ullrichs Anwälte, die die Ermittlungen offensichtlich behindern wollen, hatte der Nationale Gerichtshof in Spanien laut Angaben der Tageszeitung "El Pais" vom Samstag abgelehnt.

Der Superstar wäre laut Kofler trotz allem für den österreichischen Radsport eine enorme Bereicherung. "Wir wollen nichts überstürzen, haben aber alle Szenarien durchgedacht. Für uns ist das eine riesige Chance", meinte der Vorarlberger, der Ullrich als "charakterstarken Menschen" schätzt. Der Deutsche war im Vorjahr nach dem Ausschluss von der Tour de France von seinem Team T-Mobile entlassen worden und hat seither keine Rennen mehr bestritten. (APA)