Wien – Mahler war vom Gürzenich-Orchester einst entzückt: „Eine wahre Freude“, schrieb er an Alma und sinnierte gar, ob er eine künstlerische Heimat gefunden habe. Auch andere Größen zog es nach Köln, etwa Strawinsky oder Strauss, dessen Till Eulenspiegel vom Gürzenich-Orchester uraufgeführt wurde. Die „lustigen Streiche“ standen nun auf dem Programm – gemeinsam mit Strauss’ Don Juan und Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester. Mit Hindemiths Klavierkonzert für die linke Hand, op.29, ward das andeutungsreich zusammengestellte Programm abgerundet.

Unter Günter Wand – er leitete das Orchester fast dreißig Jahre lang – erreichte das Orchester markantes Niveau. Er hat sich für im Krieg verpönte Musik, für Zeitgenössisches eingesetzt. Den Einsatz kann man den Musikern und Dirigent Markus Stenz nicht absprechen. Das Ergebnis enttäuschte jedoch.

Don Juan ließ noch alles offen. Die Geigen brillierten mit den heiklen, fingerbrecherischen Motiven zu Beginn. Am auffallendsten machte die exzellente Holzbläserriege auf sich aufmerksam. Allen voran der Oboist, der mit seinem warmen und präsenten Ton bestach. Fehlte im opulenten Klangschwall auch manchmal der dynamische Feinzeichner aus Dirigentenhand, so blieb der Gesamteindruck noch intakt. Das gelang im Till Eulenspiegel nicht mehr. Dem Hornisten spielten offenbar die Nerven einen Streich, sein berühmtes Motiv wollte nicht und nicht schlackenfrei gelingen. Unpräzise Einsätze und das so aus dem Lot gebrachte rhythmische Gefüge unterstrichen das inhomogene Gesamtbild. Das blieb auch bei den beiden virtuosen Klavierwerken – Solist war Olli Mustonen – nachhaltig bestehen.

Vor allem Strawinskys freches Capriccio büßte Brillanz ein. Die Einzelteile waren vorhanden: virtuoses Furioso im Klavier, bizarre Farbenpalette im Orchester, Gestaltungswille von allen. Aber das Stimmengeflecht, das die Fäden zwischen Solist und Orchesterstimmen vertrackt in- und auseinanderzieht, verwob sich nicht zum bestechenden Ganzen. (pch/ DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.02.2007)