Bregenz - Die Rutschung eines Hangs in Doren (Bregenzerwald) hat sich in der Nacht offenbar weiter verlangsamt, auch wenn der Hang noch immer nicht zur Ruhe gekommen ist. Die oberhalb der Abrisskante gelegene Gemeinde Doren sei zwar nicht akut gefährdet, aber dennoch sei die Stimmung im Dorf gedrückt, erklärte Anton Vögel, Bürgermeister von Doren. Das so genannte "Gschlief" ist seit vergangenem Wochenende rund 40 Meter abgerutscht und hat den Fluss Weißach verlegt.

Die Abrisskante befindet sich laut Vögel rund 70 Meter vom ersten Dorener Haus entfernt. Diese Kante bewege sich kaum. "Das wird teilweise falsch interpretiert, die Abrisskante hat sich kaum verschoben. Es ist der Hang darunter, der rutscht", stellte Vögel klar. Dennoch ist man in der 1.000-Einwohner-Gemeinde beunruhigt. "Das Unfassbare ist einfach, dass sich der Hang bei dieser trockenen Witterung in Bewegung setzt, früher war das immer nur bei einer extremen Wettersituation der Fall", so der Bürgermeister.

Schicht "angesoffen"

Auch der Wiener Universitätsprofessor und Experte Dirk van Husen konnte laut Vögel bisher nicht erklären, wie es zu der Hangrutschung kommen konnte. "Uns wurde gesagt, dass sich eine Schicht in sieben bis 15 Metern mit Wasser 'angesoffen' hat. Wie das bei dem trockenen Wetter passieren konnte, ist ein Rätsel", so Vögel. Die sich stauende Weißach macht ihm nach eigenen Angaben kaum Sorgen. Der Fluss werde sich durch die Geröllmassen "durchfressen", die auf einer Breite von rund 380 Metern das Gewässer verlegen. Auch wenn der dahinter entstandene Stausee plötzlich durchbrechen sollte, sei bei dem momentan geringen Wasserstand der Weißach und der Bregenzerach kein verheerendes Hochwasser zu befürchten, so Vögel. "Das verkraftet der Fluss sicher", meinte der Bürgermeister.

An Stabilisierungsmaßnahmen ist laut den Geologen erst zu denken, wenn der Hang etwas zur Ruhe gekommen ist. Der Wiener Fachmann habe vorgeschlagen, Anker zu setzen oder den Hang zu nageln, sagte der Bürgermeister. "Er sieht Möglichkeiten, zuerst muss aber alles durchgerechnet werden. Bis in einigen Wochen könnten wir eine Lösung für das Gschlief haben. In der heutigen Zeit, mit unserer Technik, müsste das doch machbar sein", gab sich der Politiker zuversichtlich. Das Land Vorarlberg sei sehr bemüht. "Natürlich ist klar, dass das Land das Geld nach dem Hochwasser woanders brauchte, in Gebieten, wo tatsächlich Menschen und Häuser in Gefahr waren. Aber jetzt werden wir Druck machen, dass hier etwas geschieht", kündigte Vögel an. (APA)