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In Belgrad rief Staatspräsident Boris Tadic das serbische Parlament auf, eine Resolution zur Verurteilung des Massakers von Srebrenica zu verabschieden.

Foto: Reuters/IVAN MILUTINOVIC
Sarajevo - In Bosnien-Herzegowina ist das Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH), eine Klage gegen Serbien wegen Völkermords abzuweisen, mit Enttäuschung aufgenommen worden. "Europa hat wieder einmal gezeigt, dass es gegen die Moslems ist", sagte Munira Subasic, die Vorsitzende eines Opferverbands von Srebrenica. Auch der bosniakische Spitzenpolitiker und Ex-Premier Haris Silajdzic bedauerte das Urteil.

"Sehr enttäuscht"

Silajdzic warnte vor künftigen Spannungen in den Beziehungen zwischen Bosnien und Serbien. Zeljko Komsic, kroatisches Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums, sagte, dass er "sehr enttäuscht" sei von dem Urteil. Er werde die Gerichtsentscheidung jedoch respektieren. Der Serbe Nebojsa Radmanovic, Vorsitzender des dreiköpfigen Präsidiums, warnte vor gewalttätigen Auseinandersetzungen im Land. Er rief Muslime, Serben und Kroaten auf, Ruhe zu bewahren und äußerte die Hoffnung, dass es nicht zu größeren Protesten kommen werde.

In Belgrad rief Staatspräsident Boris Tadic in einer ersten Reaktion das serbische Parlament auf, eine Resolution zur Verurteilung des Massakers von Srebrenica zu verabschieden.

Verstoß gegen Konvention

Der UNO-Gerichtshof in Den Haag hatte zuvor entschieden, dass Jugoslawien im Unabhängigkeitskrieg seiner früheren Teilrepublik Bosnien-Herzegowina gegen die internationale Konvention zur Ächtung des Völkermordes verstoßen habe. Der Internationale Gerichtshof urteilte nach einer Klage Bosnien-Herzegowinas, zwar sei Jugoslawien nicht für den 1995 an bosnischen Muslimen verübten Völkermord verantwortlich. Es hätte aber nach der Völkermordkonvention von 1948 versuchen müssen, diesen zu verhindern und die Verantwortlichen zu bestrafen. (APA/AFP/dpa/Reuters)