Wie kommen Innovationen in die Gesellschaft? Muss man sie den Menschen lediglich auftischen, und sie werden sie annehmen? Die erste Gesprächsrunde im Rahmen der "InnovAction 2007 Messe für Wissen, Ideen und Innovationen" in Udine bestand aus: Brian Winston, Filmemacher, Journalist und Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften und Medien der University of Lincoln in England, Martin W. Bauer, Ökonom und Fachmann für Sozialpsychologie der London School of Economics und Helga Nowotny, Soziologin und Vizepräsidentin des Europäischen Forschungsrats.

Brian Winston meinte, die Geschichte von Innovation und Technologie sei stets von Menschen mit Gedächtnisverlust geschrieben worden. Sturer technologischer Determinismus führe zu nichts, denn die Gesellschaft bestimme die Agenda. Der rastlose Zyklus der Innovation gehe weiter und sei Kennzeichen unserer Gesellschaft. Auch Helga Nowotny hielt das Motto der Chicagoer Weltausstellung von 1893 spätestens seit den 1970ern für überholt: "Wissenschaft entdeckt, Technologie erfindet und die Gesellschaft passt sich an". Technologie könne sehr verführerisch aussehen, maskiert als Gadget trete sie auf. Angenommen werde aber natürlich nur Nützliches.

Radikale Innovationen, so schränkt sie ein, seien sehr selten und heute eher keine Einzelleistungen mehr: "Sie werden von unterschiedlichen vernetzten Akteuren und nicht mehr zentral entwickelt, wobei sich die Behörden vor allem als Vermittler und Ermöglicher etablieren können". Innovation werde notgedrungen erst rückblickend, nachdem sie ein Erfolg war, als solche definiert. Die Maßzahlen für Innovation seien angepasst worden und würden heute nicht nur mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung korrelieren "Die Gesellschaft soll nicht als Bremse verstanden werden. Man muss sie an Bord holen und die künftigen Nutzer einbeziehen", so Nowotny.

Privatisierte Finanzierung

Martin Bauer betrat als letzter das Podium, um Forschungsergebnisse zur Wissenschaftskommunikation zu präsentieren. Die Finanzierung von Wissenschaft und Forschung werde zunehmend privatisiert, was noch mehr entsprechende Skepsis bei der Rezeption in der Gesellschaft nötig mache. Zwei Trends seien in der Kommunikation zunehmend denkbar: Betrug oder Lüge, wie etwa beim Klonforscher Hwang Woo-Suk passiert, und "Bullshit". Letzteres sei mehr zu fürchten, weil ein Lügner sich Mühe gebe, die Wahrheit zu verbergen, ein "Bullshitter" aber seine Behauptungen gar nicht erst verifiziere, sondern nur auf Effekt setze.

Zu beobachten sei eine zunehmende Professionalisierung der Kommunikation an Forschungseinrichtungen, mit Presseverantwortlichen, Trainings für die Wissenschafter oder ihrer Inszenierung als Spektakel. Als Benchmarks für die Evaluierung von Wissenschaft durch die Gesellschaft müssten aber weiterhin Kriterien wie die Bedenken von Konsumenten, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit, Fairness, ethische Unbedenklichkeit und wirtschaftliche Lebensfähigkeit erhalten bleiben. (Astrid Kuffner aus Udine/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Februar 2007)