Sprachreisen sind keine "Paukercamps" - trotzdem sollte vor der Buchung die Qualität von Sprachschulen hinterfragt werden.

Foto: Carpe Diem

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Anbieter von Sprachreisen im Überblick. Zur Verfügung gestellt von der wienXtra-jugendinfo.

"Wer nach Kanada fährt und plant, bei einer Gastfamilie zu wohnen, der sollte keine Angst vor fremden Kulturen haben. Es kann sein, dass man asiatische, philippinische oder afrikanische Gasteltern bekommt," sagt Alexandra. Insgesamt drei Mal war sie schon auf Sprachreise, zwei Mal in England und einmal in Kanada. In ihrer Gastfamilie hat sie mit Sprachschülern aus Spanien und Frankreich zusammengelebt, "so war ich rund um die Uhr gezwungen, Englisch zu sprechen." Durch die intensive Anwendung der Fremdsprache erklärt sie auch den hohen Lerneffekt ihres vierwöchigen Sprachaufenthaltes. Den Unterricht vor Ort selbst ? täglich drei Stunden - hat Alexandra weniger lehrreich in Erinnerung. "Wir waren eine von mehreren Gruppen in einem Turnsaal, der durch zirka zwei Meter hohe Trennwände in Lernkojen geteilt war. Die Lehrer waren zwar nett, der Unterricht war aber nicht sehr gut auf unsere Gruppe abgestimmt."

Seriöse Schulen

"Zirka 60 Prozent eines Sprachaufenthaltes entfallen auf die Unterrichtskosten", erzählt Martin Martschnig, Geschäftsführer von Carpe Diem Sprachreisen. Er rät, sich das Angebot genau anzusehen, um einen seriösen Preisvergleich anstellen zu können. So solle man zum Beispiel hinterfragen, wie viele Unterrichtstunden im Angebot tatsächlich enthalten sind. Auch sei zu bedenken, dass eine Unterrichtsstunde 45 oder aus 60 Minuten dauern kann. Angelika Ilk, Beraterin von EFA-Sprachreisen informiert über weitere Qualitätskriterien: "Sprachschulen sollten von staatlichen Institutionen ? zum Beispiel von English UK ? anerkannt sein. Diese Schulen werden regelmäßig überprüft." Sprachschulen, die ganzjährig geöffnet haben, seien zu bevorzugen: "Ganzjährig geöffnete Sprachschulen versprechen mehr Kontinuität und können meist gut ausgearbeitete Lehrpläne vorweisen," erklärt Ilk. Zudem vergibt das Österreichische Normungsinstitut Zertifikate für ausgewählte Anbieter.

Keine Paukercamps

"Eine Sprachreise ist kein Paukercamp, das Ganze soll den Teilnehmern ja auch Spaß machen," meint Peter Holzknecht, Geschäftsführer von EF-Sprachreisen. Bei Sprachreisen ginge es darum, das in der Schule erlernte Wissen anzuwenden und zu erweitern. "Eine Fremdsprache lernt man nur im echten Leben richtig," meint Holzknecht. Jeder Tag im Gastland sollte sinnvoll genutzt werden: "Man muss sich auf die Reise einlassen. Zu viele Unterrichtsstunden bringen nichts, wenn man danach keine Lust mehr hat, auch im Alltag mit Menschen zu reden," rät der Geschäftsführer von Carpe Diem.

Viel Spaß

Surfen in Kalifornien, Singen in Torbay, Segeln zwischen Elba und Sardinien, Theaterspielen in Oxford, Sightseeing in Paris, Shopping in London oder Klettern in Kanada. Die Freizeitangebote im Rahmen von Sprachreisen sind vielfältig. "Malta ist perfekt zum Weggehen. In der Hauptstadt Valletta gibt es wahnsinnig viele Lokale," erinnert sich Julia an ihren Sprachaufenthalt. "Bei den jungen Leute steht Bristol derzeit hoch im Kurs. Die Stadt hat eine tolle Sprachschule und außerdem finden dort viele gute Konzerte statt," verrät Martschnig.

Unterkunft

Die meisten Sprachreisenden wohnen bei Gastfamilien oder im Studentenwohnheim. "Ich musste mit der Gastfamilie das Badezimmer teilen," erinnert sich Gerhard, der für 21 Tage in Schottland gelebt hat und lieber in einem Wohnheim untergebracht gewesen wäre. "Meine Familie war total nett und auch was die Ausgehzeiten betrifft, war sie nicht so streng", meint Alexandra, die zu Bedenken gibt, dass man sich in einer Gastfamilie anpassen muss. "Man sollte sich vorher wirklich gut über das Land informieren und entscheiden, ob man das so miterleben möchte. Auf Kuba oder in Südamerika herrschen andere Umstände als in Österreich", meint Martschnig.

Lernziel

Was die Dauer einer Sprachreise betrifft, sind nach oben hin kaum Grenzen gesetzt. "Es kommt darauf an, welches Lernziel man sich gesetzt hat. Um seine Sprachfertigkeiten entscheidend zu verbessern, sollte eine Sprachreise mindestens sechs Wochen dauern", sagt Holzknecht. "Ich habe in der kurzen Zeit viel dazugelernt", ist Julia überzeugt, die für zehn Tage auf Malta war. Maturavorbereitungskurse, das multilinguale Sprachjahr ? im Zuge dessen gleich mehrere Länder bereist werden - Gruppenreisen oder Individualreisen - es gibt viele Möglichkeiten, eine Sprache zu "erreisen". Sprachreisen werden für alle Altersgruppen angeboten, auch Kurse, in denen fachspezifisches Vokabular vermittelt wird, können gebucht werden. "Bevor man eine Sprachreise bucht, soll man jedenfalls die Angebote vergleichen und Leute befragen, die selbst schon auf Sprachreise waren," rät Alexandra. (burg/derStandard.at, 8. März 2007)