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Der größte Erfolg des erfindungsreichen Leobner Universitätsprofessors Werner Kepplinger: die weltweit erste Corex-Anlage zur Erzeugung von flüssigem Roheisen.

Foto: AP/Kaestner
Preisfrage: Was hat ein Verfahren zur umweltfreundlichen Reinigung von Öltanks mit der weltweit ersten Corex-Anlage in Südafrika und mit der energiesparenden Entsorgung von Brauereirückständen zu tun? Die Lösung: Dahinter steckt ein einziger kluger Kopf ? der von Werner Kepplinger nämlich.

Der Professor an der Montan-Universität Leoben ist eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der österreichischen Universitäts- und Forschungslandschaft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Vorstand des Instituts für Verfahrenstechnik des Industriellen Umweltschutzes mehr als 1600 Patente weltweit angemeldet hat. Womit er ganze Universitäten locker in den Schatten stellt.

Der gebürtige Linzer, der schon an der Montan-Uni sein Studium absolvierte, machte zunächst in der Industrie groß Karriere: Er forschte und entwickelte bei der Voest-Alpine AG und der Chemie-Linz AG. Zudem war er Berater für die Unido, der Organisation für industrielle Entwicklung der Vereinten Nationen, ehe er 1993 an die Montan-Uni als Professor zurückkehrte. Seine Tätigkeitsfelder in Sachen Forschung und Entwicklung reichen dabei buchstäblich von A bis Z und befassen sich mit innovativen Verfahren beim Auto-Recycling ebenso wie der Zementindustrie. Sein in jeder Hinsicht größter Erfolg war aber die weltweit erste Corex-Anlage zur Erzeugung von flüssigem Roheisen, die 1989 von der _Voest-Alpine in Südafrika errichtet wurde.

Corex-Pionier

Kepplinger ist der internationale Pionier dieses Verfahrens, wovon auch dutzende Fachpublikationen zeugen. Im Gegensatz zum Hochofenprozess wird bei diesem Verfahren kein Hochofenkoks benötigt. Stattdessen wird durch die Kombination von Schmelzprozess, Kohlevergasung und Direktreduktion flüssiges Eisen erzeugt, dessen Qualität dem Hochofenroheisen entspricht. Während seine internationalen Kollegen skeptisch waren, dass so etwas im großen industriellen Stil klappen kann, hielt Kepplinger eisern an seinem Verfahren fest ? und es funktionierte.

Der Weg zum Patent ist für Kepplinger jedes Mal ein Neuer: Manchmal sind es bloß Verbesserungen bestehender Verfahren, die von Kepplinger und seinem Team wirtschaftlicher oder umweltfreundlicher gemacht werden. Mitunter kann es aber Jahre des mühsamen Forschens und Berechnens dauern, ehe eine Entwicklung patentfähig ist.

Beruflich ist der 65-Jährige der Innovator schlechthin, privat beschäftigt es sich mit dem Gegenteil: Zum Ausgleich sammelt er Schmetterlinge, alte Lexika, alte Fotoapparate und alte Filmkameras. Und schließlich nennt er auch noch einen größeren Wagenpark sein eigen. Der ist natürlich nicht mit den neuesten Sportwagen und der neuesten Technik bestückt; sondern mit 15 guten alten Oldtimern. (Klaus Taschwer/DER STANDARD-Printausgabe, 13.März 2007)