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Foto: AP/Altaffer
New York – Es ist der best dotierte Preis, den man als Wissenschafter erhalten kann. Genau 800.000 Britische Pfund (rund 1,18 Millionen Euro) lässt sich der britisch-amerikanische Millionär Sir John Templeton die nach ihm benannte Auszeichnung kosten, die damit sogar die Dotierung des Nobelpreises übertrifft.

Was allerdings das symbolische Kapital betrifft, so kann der Templeton-Preis mit seinem schwedischen Vorbild nicht ganz mithalten. Was auch daran liegt, dass der Preis an Wissenschafter vergeben wird, die für "Fortschritte in der Forschung und bei der Entdeckung spiritueller Realitäten" sorgen. Beziehungsweise "an Wissenschafter, die bereit sind, etwas Nettes über Gott zu sagen", wie es der atheistische Evolutionsbiologen Richard Dawkings kürzlich etwas spöttisch formulierte.

Mag der Templeton-Preis nicht ganz unumstritten sein, der diesjährige Preisträger ist es ganz bestimmt nicht. Es ist der 75-jährige kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor, der nebstbei eng mit Wien verbunden ist, konkret: mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), dessen wissenschaftlichen Beirat er nämlich leitet.

Bekannt wurde Taylor im deutschen Sprachraum durch "Hegel", seine knapp 800-seitige Studie über den deutschen Meisterdenker, die unter eben diesem lakonischen Titel erschien. Charles Taylor ist aber das Gegenteil eines weltabgewandten Philosophen: In seinem umfangreichen Werk hat sich der Professor an der McGill Universität von Toronto mit einigen der drängendsten Probleme heutiger Gesellschaften beschäftigt.

Engagierter Denker

Taylor war von Beginn seiner Karriere an politisch engagiert: Während seiner Lehrjahre in Oxford arbeitete er mit der Schriftstellerin Doris Lessing, dem Historiker Edward P. Thompson und Stuart Hall für die Vorläuferzeitschrift der "New Left Review". Zurück in Kanada wurde er Mitglied der demokratischen Linken und bewarb sich mehrfach für einen Parlamentssitz.

Als intellektueller Vordenker der englischsprachigen Minderheit in Quebec engagierte sich Taylor vehement für den Erhalt der nationalen Einheit Kanadas – bei gleichzeitiger Anerkennung der Provinz als eigener politischer Entität. Zuletzt machte ihn der Premierminister von Quebec zum Vorsitzenden einer Kommission, die sich der Anpassung kultureller und religiöser Unterschiede im öffentlichen Leben widmet.

Im Rahmen der Pressekonferenz am Mittwoch in New York, bei der die Preisverleihung bekannt gegeben wurde, forderte Taylor dazu auf, die Frage, wie Gewalt erklärt und verhindert werden könne, dringend einer neuen Prüfung zu unterziehen. Dazu gehöre für Taylor auch "eine umfassende Erklärung des menschlichen Strebens nach Sinn und spiritueller Richtungsweisung, von dem die Anziehungskraft der Gewalt nur eine Perversion darstellt". (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 3. 2007)