Die Zukunft der Fernseh-Innenpolitik-Journalistin Claudia Reiterer sorgt für eine Diskussion über Unvereinbarkeitsregeln im ORF. Nach einem Bericht der Programmzeitschrift "tv-media" sei Reiterer von der Spitze der ORF-Fernseh-Information mitgeteilt worden, dass sie künftig nicht mehr in der Innenpolitik tätig sein soll und auf den unpolitischen Moderatorenposten beim neuen Konsumentenmagazin "Konkret" wechseln soll. Als Grund dafür sei ihre Verbindung mit ihrem Lebensgefährten Lothar Lockl angegeben worden, der seit kurzem Generalsekretär der Grünen ist.

"Willkürakt", "Sippenhaftung", "Frauendiskriminierung"

Reiterer arbeitet derzeit als Moderatorin der ORF-Parlamentssendung "Hohes Haus", davor war sie im "Report" tätig. Der Causa soll sich nun der ORF-Redakteursausschuss annehmen. ORF-intern ist von einem "Willkürakt", einem weiteren Fall von "Frauendiskriminierung" und "Sippenhaftung" die Rede. "Im ORF gibt es keine Sippenhaftung und keine politische Verfolgung", beschwichtigte ORF-Kommunikationschef Pius Strobl am Mittwoch auf Anfrage der APA. Reiterer zähle zu den "beliebtesten Moderatorinnen des Hauses". Die Geschäftsführung habe sicher nicht vor, sie zu "verstecken", so Strobl. "Reiterer wird eine bedeutende Rolle haben. Sie ist für verschiedene Funktionen im Gespräch, was für ihre Qualität spricht."

"Mit zweierlei Maß"

Kritiker monieren im vorliegenden Fall, dass mit zweierlei Maß gemessen werde. Erstmals soll eine private Verbindung wegen Unvereinbarkeit Konsequenzen haben. Dabei gebe es in Vergangenheit und Gegenwart einige Beispiele für Nahe- oder Verwandtschaftsverhältnisse von ORF-Leuten, bei denen es keine Konsequenzen gab: Luis Glück war und ist seit Jahren Ö1-Infochef, während seine Frau Heidi Glück als Pressesprecherin des früheren VP-Kanzlers Wolfgang Schüssel tätig war. Stefan Gehrer arbeitete als Innenpolitik-Journalist, während seine Mutter Elisabeth Gehrer (V) als Unterrichtsministerin die Politik auf Trab hielt. Heidi Glück und Elisabeth Gehrer sind inzwischen aus ihren Funktionen ausgeschieden. Aber auch ein aktuelles Beispiel wird angeführt: Bettina Roither wurde erst vor Kurzem zur Radio-Chefredakteurin des ORF bestellt. Roithers Mann Helmut Epp ist stellvertretender Direktor im Parlamentsklub der ÖVP.

"Optik mitbedenken"

ORF-Redakteursrat Fritz Wendl wollte die aktuelle Causa gegenüber der APA nicht kommentieren. "Für den Redakteursrat ist die Diskussion Anlass, auf die von uns seit langem geforderten Unvereinbarkeitsregeln für ORF-Mitarbeiter zu drängen." Diese Regeln sollten dann auch für alle gelten und mögliche Unvereinbarkeiten in Richtung Politik und Wirtschaft regeln. "Es kann sicher keine Sippenhaftung geben, man muss aber immer auch die Optik mitbedenken. In der Vergangenheit ist da manches falsch gelaufen", so Wendl. Der ORF-Redakteursrat will das Thema nun jedenfalls bei einem Redakteursausschuss mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Freitag kommender Woche thematisieren und diskutieren. (APA)