Wien - Die Wiener Vorlesungen feiern heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass zogen am Dienstag Initiator Hubert Christian Ehalt und Wiens Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny Bilanz. Demnach hätten im Laufe der Jahre eine halbe Million Menschen rund 3.000 Referenten bei 1.000 Veranstaltungen gehört.

Es sei unendlich wichtig, mit wissenschaftlichem Diskurs nicht nur in den virtuellen Welten eines Internetforums präsent zu sein, sondern auch Menschen physisch zusammenzubringen. Schließlich sei zum Auftakt der Französischen Revolution die Bastille auch nur deshalb erobert worden, weil Menschen zusammengekommen wären. Allerdings dämpfe wahre Wissenschaft derlei Affekte, beruhigte Ehalt.

Den Auftakt machte am 2. April 1987 Soziologe Rene König, der über die Bedeutung der Universitäten für die Stadt referierte. Über die Jahre finden sich Größen wie Jürgen Habermas, Ulrich Beck, Richard Sennett oder Marion Gräfin Dönhoff in den Analen der Wiener Vorlesungen.

Geburtsgeschenk

Als Geburtsgeschenk haben die Organisatoren nun eine Ringvorlesung kreiert. Diese soll mittels "disziplinärer Promiskuität", so Ehalt, einen Bogen von der Quantenphysik zur Genetik, vom Konstruktivismus bis hin zur Diskursethik schlagen. Als Redner sind hier unter anderen Anton Zeilinger, Ruth Wodak und Konrad Paul Liessmann angekündigt.

Die Wiener Vorlesungen hätten immer als Türöffner für ein neues Wissenschafts- und Innovationsbewusstsein in Wien fungiert, unterstrich Mailath-Pokorny deren Bedeutung. Sie seien als barrierefreier Zugang zu Bildung ein Zeichen für gelebte Aufklärung. (APA)