Wien - Die Krise in der Wiener Kriminalpolizei könne nicht pauschal "der Reform" in die Schuhe geschoben werden. Derartige Behauptungen würden ihn ärgern. Das sagte Polizeipräsident Peter Stiedl am Freitag in Anspielung auf Aussagen des früheren Sicherheitsbüro-Chefs Maximilian Edelbacher gegenüber Medien. Das Problem laut Stiedl war die unmittelbare Aufeinanderfolge der 'Polizeireform in Wien und der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie.

Flaches Land und Stadt

"Wenn man uns nach der Wiener Reform ordentlich hätte arbeiten lassen, wäre ich zufrieden gewesen. Aber dann ist die so genannte Team 04-Reform mit der Fusionierung von Polizei und Gendarmerie gekommen. Der Grundgedanke dafür ist in Ordnung. Wir hatten ja keine Gendarmerie, in Wien wurden aber Sicherheitswache und Kriminaldienst zusammengelegt. Bei dieser Reform sind Bestimmungen von der Gendarmerie 'hereingekommen'. Aber: Was auf dem flachen Land funktioniert, muss nicht in der Stadt funktionieren", sagte Stiedl im Gespräch mit der APA.

Arbeitsgruppen

Das werde auch Thema der Arbeitsgruppen sein, die der Präsident nach der Wirbel um zu enge Beziehungen von einigen Beamten der Kriminalpolizei zur Rotlichtszene eingesetzt hat und die derartige Schwierigkeiten künftig verhindern soll. "Da wird drüber zu reden sein. Eine der Aufgabenstellungen dieser Arbeitsgruppen ist es, unsere Sicht der Dinge zu argumentieren." Nähere Angaben dazu machte Stiedl nicht. "Das werden wir sicher nicht über die Medien diskutieren."

Bei dem so genannten Rotlicht-Gipfel im Bundeskriminalamt war die Wiener Polizei laut Stiedl mit fünf Beamten - drei Juristen und zwei Kriminalbeamten - vertreten. Unter den behandelten Themen waren die Bestimmungen zur "Führung einer Vertrauensperson", wie es amtsdeutsch heißt, umgangssprachlich "Zundwesen" genannt, das grundsätzlich heikel und in Sachen Rotlichtmilieu brisant ist. (APA)