Linz - Linz will im Jahr 2009 auch eine "Kulturhauptstadt des Hörens" sein. Das gab Peter Androsch, Musik-Verantwortlicher des Projekts "Europäische Kulturhauptstadt", in einem Pressegespräch mit Intendant Martin Heller am Mittwoch in Linz bekannt. Sie kündigten u.a. Bernhard Langs Musiktheaterstück "Montezuma" und eine Oper über den Polizeiminister während der französischen Revolution, Joseph Fouche, an.

Der Schwerpunkt Musik im Kulturhauptstadtjahr 2009 verfolgt drei Ziele: die Selbstbestimmung des Menschen im akustischen Raum, Sensibilisierung als höherer Grad an Bewusstheit der Sinneswahrnehmung und Konzentration, die in einem radikalen Zugang zu Themen und Umsetzungen greifbar werden soll. Hören soll dabei als "gesellschaftliches und eklatant politisches Phänomen" begriffen werden, erklärte Androsch. Er will Linz als eine "Hörstadt" positionieren und auch die allgegenwärtige, häufig als störend empfundene Beschallung thematisieren.

Eroberung des öffentlichen Raumes

Das Projekt "Parade" soll sich der Eroberung des öffentlichen Raumes durch Musik widmen. Linz selbst sei immer Bühne für unterschiedlichste Veranstaltungen - vom Nazi-Spielmannszug bis zum Mai-Aufmarsch - gewesen, so Androsch. 2009 soll zudem ein "Circus" in und um die Landeshauptstadt seine Zelte aufschlagen. Bei dem "ein- und durchsichtigen" Projekt, das ohne Bühne auskommen soll, werden laut Androsch sowohl E- als auch U-Musik Platz finden.

"Montezuma - Fallender Adler", das der gebürtige Linzer Bernhard Lang komponiert, basiert auf einem Text des Lyrikers Christian Loidl und beleuchtet die Geschichte von Pink-Floyd-Mitbegründer Syd Barrett. Bei der im Brucknerhaus geplanten Aufführung, die mit "defekten Loops" (Androsch) arbeitet, wird eine Textpolyphonie angestrebt. Eine Oper von Franz Hummel widmet sich dem Polizeipräsidenten unter Napoleon, Joseph Fouche. Androsch bezeichnete ihn als "Erfinder des Überwachungsstaates", was der Thematik besondere Aktualität verleihe. "Instant Anton" wiederum will alle Symphonien Anton Bruckners zu kurzen Jingles konzentrieren und damit die Kulturhauptstadt bespielen.

Androsch und Heller gaben einen kurzen Ausblick auf musikalische Kooperationen: Im Zusammenspiel mit der Anton Bruckner Privatuniversität sollen sechs Kulturvermittlungsprojekte über die Bühne gehen, in der Begegnung von Komponisten und Interpreten ist ein intensiver Kulturaustausch mit der litauischen Hauptstadt Vilnius geplant, die 2009 ebenfalls den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" trägt. Ein internationales Symposium befasst sich mit Musik, Tanz und Performance im Zeitalter elektronischer Medienkunst. (APA)